Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Schwerpunkt

An der Orgel und im Engagement für die Kirchenmusik

von Hansruedi von Arx

Er ist seit 1983 Organist an der St. Martinskirche in Olten, Chorleiter, Musiker, Musikpädagoge und Leiter der Fachstelle Kirchenmusik Kanton Solothurn (FaKiSo). Wer sich in der Kirchenmusik betätigt oder sich dafür interessiert, ist ihm bestimmt schon begegnet oder hat von seinen vielen Initiativen profitiert: Hansruedi von Arx. Nun geht er in Pension. Das «Kirchenblatt» hat ihn eingeladen, auf seine bisherige Tätigkeit zurückzuschauen und einen Blick auf den Wandel und die Bedeutung der Kirchenmusik im Allgemeinen und der Tätigkeit als Organist im Besonderen zu werfen. 

 

Organistinnen und Organisten
Vielleicht kennen Sie ja diesen Herrn … man trifft ihn vor allem an Wochenenden: 

«Einstens, als es Sonntag wieder
Und Herr Lämpel, brav und bieder,
In der Kirche mit Gefühle
Sass vor seinem Orgelspiele»

Aus «Max und Moritz» von Wilhelm Busch

Vor über 150 Jahren mag dieses «Berufsbild» oft seine Berechtigung gehabt haben, heute aber gehören zum Dienst der Organisten – und Organistinnen! – noch ein paar andere Qualifikationen. Ein Dienst soll es zwar nach wie vor sein. Aber zu diesem attraktiven und auch herausfordernden Berufsbild braucht es einige weitere Zutaten: eine fundierte musikalische und liturgische Ausbildung, eine grosse Sensibilität beim Mitgestalten verschiedenster Gottesdienste und Feiern, immer wieder Kreativität, Engagement und Begeisterungsfähigkeit «trotz» unpopulärer Arbeitszeiten und natürlich die entsprechende Wertschätzung vonseiten der Seelsorgenden, der Behörden und der Gemeinden.

In den über 45 Jahren meines Organisten-Daseins hat sich unsere Welt, unsere Gesellschaft und damit eben auch unsere Kirche massiv verändert, gewandelt. Rein äusserlich ist die Anzahl der zu «verorgelnden» Gottesdienste zurückgegangen, weniger Quantität – aber dafür vielleicht die Chance für (noch) mehr Qualität: weil wir das Wenigere umso besser vorbereiten können und sollen. Die Arbeit ist auch vielfältiger geworden: In meinem Falle stehen mir gleich zwei wunderbare Orgeln zur Verfügung, neben der Hauptorgel auch die Chor­orgel vorne im Altarraum, dazu ein Digitalklavier mit Soundanlage, die Arbeit mit Kirchenchor, Ad-hoc-Chören, Kantoren/-innen, Kinder- und Jugendchor und Bands. Sicher viel aufwendiger als das Abspielen eines (im letzten Moment) vorgelegten Liederzettels, aber dafür auch unendlich viel dankbarer und farbiger.

Mitverantwortung für die Liturgiegestaltung
Gut ausgebildete Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker sollen heute in der Lage sein, aufgrund der in der Liturgie vorgesehenen Texte, entsprechend der Festzeit und der örtlichen Gegebenheiten stimmige, ausgewogene Programme für die Gottesdienste zu gestalten. Ja, sie müssen diese Arbeit vorrangig tun – und sollen sie nicht den wenigen Seelsorgenden überlassen. Denn diese sind schon mit vielen anderen Aufgaben belastet, müssen von Ort zu Ort eilen, Feiern leiten und weiterhasten und in vielen Gremien Stunden mit Sitzungen verbringen. 
Allerdings liegt es in der Verantwortung aller Entscheidungsträger, diese Qualifikationen der Kirchenmusiker auch zu fordern und den ausgebildeten Musikern angemessene Arbeitsbedingungen zu schaffen. Nachhaltiges Arbeiten in der Pfarrei, im Pastoralraum gelingt nur dort, wo kompetente Musiker/-innen mit guten Anstellungsbedingungen langfristig arbeiten können. Die leider weitverbreiteten «Kurz-Gastspiele» von Chorleiter/-innen und Organist/-innen leisten keinen kontinuierlichen Aufbau, gefährden früher oder später das Weiterbestehen der Kirchenchöre. Ohne fest angestelltes, kirchenmusikalisches Personal kann eine kontinuierliche Pflege des gottesdienstlichen Gesanges nicht gewährleistet werden. Insbesondere fehlt dann oft auch ein musikalisches Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen. 

Wer singt, betet doppelt
«Mehr als Worte sagt ein Lied» singen wir in KG 43 – aber warum bestehen dann unsere Feiern im Schnitt zu drei Vierteln aus Text?  Alternativen? Feiern im Geiste von Taizé bedeutet: 80 Prozent Gesang, je 10 Prozent Stille und Text! «Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann – und wo­rüber zu schweigen unmöglich ist.» (Victor Hugo) Nutzen wir die Chance, Musik und Gesang zu fördern, wo wir nur können. Und alles ist «live», immer wieder. «Nutzt die Zeit … Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen … Singt und jubelt aus vollem Herzen.» Eph 5, 19

1990 wurde die Fachstelle Kirchenmusik Kanton Solothurn (zuerst als Kantonale Arbeitsstelle für Kirchenmusik) von der römisch-katholischen Synode des Kantons Solothurn geschaffen. Ende August nun werde ich die «Leitseile» in andere Hände übergeben. Eine unglaublich intensive, herausfordernde Zeit geht für mich zu Ende – aber es waren Jahre mit unzähligen Begegnungen, mit motivierten, suchenden, oft auch kritischen Menschen. Immer wieder getragen von vier Sekretärinnen, zwei fachlichen Mitarbeitern und der stets wohlwollenden Unterstützung «im Hintergrund» durch die Gremien der Synode – ich bin einfach nur dankbar!

Etwas Kostbares
Vielleicht ist es das, was unsere Kirche letztlich lebendig erhält: der Austausch, das gemeinsame Probieren, das Fragen und Wagen. Und die Gewissheit, dass wir für etwas ganz besonders Kostbares mitverantwortlich sein dürfen! Das zweite Vatikanische Konzil definierte in der Konstitution Sacrosanctum Concilium: «Die überlieferte Musik der Gesamtkirche stellt einen Reichtum von unschätzbarem Wert dar, ausgezeichnet unter allen übrigen künstlerischen Ausdrucksformen vor allem deshalb, weil sie als der mit dem Wort verbundene gottesdienstliche Gesang einen notwendigen und integrierenden Bestandteil der feierlichen Liturgie ausmacht.» Notwendig und inte­grierend … Es lohnt sich, ein paar Sekunden darauf zu verwenden, was diese Begriffe bedeuten – und welche Schlüsse wir daraus ziehen (sollten). Und weiter: «Ihre vornehmste Form nimmt die liturgische Handlung an, wenn der Gottesdienst feierlich mit Gesang gehalten wird … und das Volk tätig teilnimmt … Der Schatz der Kirchenmusik möge mit grösster Sorge bewahrt und gepflegt werden.» 

Neue Leitung der Fachstelle
Ab September wird Thomas A. Friedrich die Leitung der Fachstelle übernehmen. Ich bin sehr froh, dass wir mit Thomas einen exzellenten Praktiker gewinnen konnten, der – auf seine Art und mit seiner Ausstrahlung – die FaKiSo in die Zukunft führen wird. Einerseits unterstützt von Monique von Arx, zum anderen aber auch dank der vielen neuen, interessierten Chorsänger/-innen und Kirchenmusiker/-innen, die unsere Angebote schätzen und nutzen, die ein Leben lang lernen und sich weiterbilden. Denn das gehört heutzutage doch ganz selbstverständlich zu diesen Tätigkeiten. So können auch in Zukunft auf immer neue Weise, wie es Ernesto Cardenal auf der folgenden Seite versucht, die Psalmen, Lieder und Musikstücke zur Ehre Gottes gesungen und gespielt werden.  

Fachstelle Kirchenmusik Kanton Solothurn
Tannwaldstrasse 62
4600 Olten 
Telefon 062 286 08 05 
www.kirchenmusik-solothurn.ch
Team FaKiSo

Thomas A. Friedrich (links) übernimmt die Leitung der Fachstelle Kirchenmusik von Hansruedi von Arx (rechts). In der Mitte die Sekretärin der Fachstelle, Monique von Arx-Baur.