Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Editorial

Musik im Ohr

Es ist mittlerweile ein bekanntes Bild, wenn man unterwegs ist oder im Zug sitzt. Überall sieht man junge oder ältere Menschen mit Stöpseln in den Ohren. Sie haben oft ein bewegtes Lächeln im Gesicht und geniessen ihre Musik. Welche Musik sie hören, das sieht man nicht. Aber Musik scheint allgegenwärtig zu sein. Sie wandelt sich in Stil und Trend, betont neue Rhythmen oder schafft überraschende Kombinationen zwischen Pop und Volksmusik und Sakralgesang. Sie führt Menschen über Generationen und Kulturen zusammen wie beispielsweise an einem Openair oder im Chor der Nationen. 

Wandel und Vielfalt kennzeichnen auch die Kirchenmusik. Sie ist ein unersetzlicher Bestandteil des gottesdienstlichen Feierns und wird gestaltet durch das Spiel der Orgel oder anderer Instrumente, durch Kirchenchöre, Singgruppen und Projektchöre, durch Taizégesang oder Adoray. Es ist, als ob sich auch die Kirchenmusik immer wieder neu erfindet und neue Zugänge zu jenen Dimensionen erschliesst, die nicht in Worte gefasst werden können. Davon lassen sich manche Menschen unserer Zeit ansprechen. Musikalische Aufführungen oder Orgelkonzerte öffnen die Kirchen auch für jene, die sich sonst kaum noch hineinwagen. Gerade die Orgel erfährt in unserer Zeit wieder vermehrte Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Vor gut einem halben Jahr hat die UNESCO die Orgel, als «die Königin der Instrumente», und die Tradition von Orgelbau und Orgelmusik auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes gesetzt. Eine grosse Ehre sowohl für die professionellen Organistinnen und Organisten als auch für die vielen Orgelspielenden in all unseren Kirchen. Neben dieser grossen Orgeltradition versuchen junge Künstler wie Carpenter oder Katta mit digitalen Instrumenten und neuen technischen Möglichkeiten ein junges Publikum auch ausserhalb der Kirchen für Orgelmusik zu gewinnen. Viele Gründe, um mal die Stöpsel herauszunehmen und sich auf die Klänge einer Orgel in der besonderen Stimmung eines Kirchenraums einzulassen.

Ich wünsche Ihnen offene Ohren für die vielfältigen Klänge der Musik.

Kuno Schmid