Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Jugend

«Uns war bewusst, dass das ein einmaliges Ereignis sein würde»

von Daniele Supino

Vor fast 50 Jahren, am 21. September 1969, fand in Lommiswil die Glockenweihe statt, am Tag danach der Glockenaufzug durch die Schuljugend. Adolf von Burg war damals 14 Jahre alt. Zusammen mit seinem Bruder erinnert er sich gerne an diesen Tag:

Herr von Burg, welche Erinnerung haben Sie daran?
Die Glockenweihe war eine ganz grosse Sache. Die Glocken kamen per Camion bis nach Solothurn, mit Pferdewagen wurden sie in einem offiziellen Umzug über Langendorf und Oberdorf nach Lommiswil transportiert und hier schliesslich vom Bischof gesegnet. Am darauf folgenden Tag wollten alle Kinder beim Glockenaufzug helfen, alle wollten dabei sein.

Auf dem Foto sieht man nur fröhliche Gesichter …
Ja, es hatte Dorffestcharakter. Und uns war bewusst, dass das ein einmaliges Ereignis sein würde und man so etwas nicht noch einmal erleben wird.

Was machte man als 14-jähriger vor beinahe 50 Jahren ohne Handy und Playstation?
In der Freizeit halfen die meisten auf dem Bauernhof, in der Küche oder sie mussten Holz zum Feuern hinein tragen. Ansonsten spielte man Versteckis, Fussball und «Plänerlis», das war eine Art Schnitzeljagd. Man muss sich vorstellen, dass wir auch keinen Fernseher hatten, nur ein Radio, wo wir uns versammelten, um ein Hörspiel oder das Wunschkonzert zu hören.

Welche Rolle spielte die Religion?
Damals war es selbstverständlich, nebst der Sonntagsmesse auch die wöchentliche Schulmesse zu besuchen. Es fiel uns nicht schwer, weil ja alle Kinder dabei waren. So erlebten wir auch, dass die St. Germanskapelle zu klein war, dass das Bedürfnis nach einer grösseren Kirche entstand und wie die Kirche gebaut wurde. Nach der Sonntagsmesse gingen wir zur Baustelle und schauten, wie weit der Bau fortgeschritten war …

Was vermissen Sie von dieser Zeit?
Wir waren zwar weniger mobil, verbrachten keine Ferien im Ausland und wir mussten viel arbeiten, aber wir waren unbeschwerter, weil das Konkurrenzdenken fehlte. Wir lebten damals ganz einfach. Nur als Beispiel: Wir gingen gerne in den Turnverein, weil man dort duschen konnte. Zu Hause wuschen wir uns im Zuber … 

Was wünschen Sie den heutigen Jugendlichen?
Dass sie bei der Bewältigung der modernen Herausforderungen ihre Herkunft und Traditionen nicht vergessen. Und dass sie das Zusammensein in der Gesellschaft pflegen.