Aktuelle Nummer 26 | 2018
09. Dezember 2018 bis 22. Dezember 2018

Jugend

Glaube an den Samichlaus

«Es ist so unnötig», beschwerte ich mich, während wir ins Auto stiegen. «Jetzt komm schon Luna, es ist doch schön», sagte mein Vater beschwichtigend. «Ich werde meinen Kindern ganz sicher von Anfang an sagen, dass der Samichlaus nicht existiert. Dann muss auch niemand vorbeikommen und in einer komischen Verkleidung Lügen erzählen.» «Jetzt benimm dich nicht so, Markus hat das früher auch für dich gemacht», mischte meine Mutter sich ein. Markus war der beste Freund meines Vaters und mein Götti. Als dann Markus’ Sohn Jonas vor vier Jahren geboren wurde, war mein Vater natürlich auch Götti geworden und jetzt musste er zum ersten Mal Samichlaus spielen. «Ja ja, wie auch immer», erwiderte ich.

Ich hörte meinen Vater in verstellter Stimme mit Jonas reden, während ich mir die Hände wusch. Gleich nachdem wir angekommen waren und alle begrüsst hatten, war ich auf die Toilette verschwunden, weil mich das ganze Getue nervte. Dann hörte ich Jonas lachen und begann unwillkürlich auch zu lächeln. Irgendwie war es ja schon süss. Ich ging durch den Gang Richtung Wohnzimmer und blieb dort im Türrahmen stehen. Es roch nach Mandarinen und Kerzenwachs und mein Vater sah wirklich lächerlich aus. Aber mein Blick blieb an Jonas hängen; er schien vollkommen glücklich zu sein. Und zum ersten Mal seit Beginn der Adventszeit vergass ich die ganze Hektik, welche diese mit sich bringt. Sobald man ein bestimmtes Alter erreicht hat, ist es ein Riesenstress. Damals aber, als ich noch so alt gewesen war wie Jonas, war es immer die schönste Zeit des Jahres gewesen. Eine Zeit voller Liebe, Licht und Magie. Es lag daran, dass ich daran geglaubt hatte, schoss es mir auf einmal durch den Kopf. Deshalb war es viel mehr; weil ich geglaubt hatte, dass es das war.

Mein Blick traf den von Markus, der mich warm lächelnd herüberwinkte. Ich lächelte zurück und stiess mich vom Türrahmen ab, um mich zu ihnen an den Tisch zu setzen. Ich würde meinen Kindern später doch nicht
sagen, dass der Samichlaus nicht existiert; sie sollten glauben – so lange und fest wie nur irgendwie möglich.