Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Editorial

ROYALER SAMICHLAUS

In meinem zweitletzten Editorial ist es passiert: Breitspurig habe ich vor zwei Wochen hier im Kirchenblatt erklärt, dass für mich die Adventszeit am 6. Januar beginnt. Der Samichlaus tritt dem-
zufolge gleichzeitig mit den heiligen drei Königen auf die Bühne, was natürlich seiner Mission eine royale Note verleiht. Es wären dann nicht die drei Weisen aus dem Morgenland, sondern deren vier, da ja Nikolaus von Myra auch aus dem Nahen Osten stammt. Dramaturgisch wäre diese Ballung an Geschenkbringern jedoch äusserst ungeschickt und so hat es sich bewährt, die ursprüngliche Reihenfolge einzuhalten.

Mein chronologischer Fauxpas zeigte jedoch auch eine positive Wirkung: Durch zahlreiche Reaktionen wurde mir eindrücklich aufgezeigt, dass es eine aufmerksame und humorvolle Kirchenblatt-Leserschaft gibt – was ich natürlich schon vermutet hatte. So wurde ich gefragt, ob ich jetzt ins orthodoxe Lager gewechselt habe oder ob ich die Adventszeit – noch vor den Kommerz­weihnächtlern – bereits im Frühjahr starten wolle. Per Post oder Mail, telefonisch oder auf der Strasse wurde mir mitgeteilt, dass ich zwar einen Flüchtigkeitsfehler begangen hatte, man mir aber durchaus zutraue, den Samichlaus und die drei Könige auseinanderhalten zu können. Merci!

Ja, und ein weiteres kräftiges «Merci» an alle anderen Leserinnen und Leser des Kirchenblatts für ihre Treue und Aufmerksamkeit. Sie lesen hier meine letzte Kolumne und es ist keine billige Floskel, wenn ich gestehe, dass dieser Text auch mit Wehmut verbunden ist. Vor 15 Jahren wagte ich auf der Jugendseite meinen Einstand beim Kirchenblatt; 2010 wurde ich zum Chefredaktor «befördert». Damals übernahm ich das Zepter von Urs C. Reinhardt, der 17 Jahre als redaktionelles Oberhaupt gewirkt hatte. Diese stattliche Zahl an Jahren erreiche ich bei weitem nicht, doch die vergangenen sechs Jahre als «Blattmacher» waren eine fast durchwegs positive Erfahrung. Nun wechsle ich voll und ganz zurück an meine angestammte Wirkungsstätte an der Kantonsschule, wo ich im Oktober den Vollzeitjob eines Konrektors übernehmen durfte.  

Mir wird die Tätigkeit als Redaktor fehlen. Nun werde ich vom Schreiber zum Leser des Kirchenblatts und ich freue mich auf diesen Perspektivenwechsel, da mit Kuno Schmid ein hochkarätiger Nachfolger die Leitung der Redaktion übernehmen wird. Zum Schluss möchte ich noch einen grossen Dank an das geschätzte Redaktionsteam, den Vorstand des Vereins Kirchenblatt und alle Mitwirkenden in den Pfarreien und Kirchgemeinden aussprechen. Am 6. Januar 2017 erscheint also nicht der Samichlaus, sondern das Kirchenblatt mit einem neuen Chefredaktor.    

 

Auf Wiedersehen!
Reto Stampfli