Aktuelle Nummer 19 | 2019
15. September 2019 bis 28. September 2019

Schwerpunkt

PILGERN

von Kuno Schmid

Überall werden Kultur- und Pilgerreisen angeboten oder Busreisen zu Wahlfahrtsorten organisiert. Pilgern ist wieder in. Traditionell gepilgert wird jedoch zu Fuss, denn Pilgern ist beten mit den Füssen. Das Pilgern soll die Menschen aus dem Alltäglichen herausführen, in die Fremde, in die Langsamkeit, zu sich selbst und wieder näher zu Gott. Drei Gruppen aus dem Buchsgau berichten von ihren Fusswallfahrten nach Mariastein. 

Zu einer Wallfahrt gehören drei Dinge: die religiöse Motivation der Pilgernden, der Pilgerweg und das Pilgerziel. Seit dem Mittelalter kennt die Christenheit drei grosse Wallfahrtsziele: 

•Die Wallfahrt nach Jerusalem, ins «Heilige Land», in dem Jesus gelebt hat, gestorben und auferstanden ist. 

•Die Wallfahrt nach Rom, in die «Mitte der Welt» mit den Apostelgräbern von Petrus und Paulus.

•Die Wallfahrt nach Santiago de Compostela, nach «Finisterre», dem Ende der damals bekannten Welt und dem Grab des Apostels Jakobus.

Auch heute werden diese Pilgerziele von zahlreichen Menschen aufgesucht. Insbesondere das Pilgern zu Fuss auf dem Jakobsweg ist neu entdeckt worden. Zahlreiche Abschnitte des Weges nach Spanien sind auch in der Schweiz wieder hergerichtet. Einige nehmen diese Wege aus religiösen Gründen unter die Füsse. Andere finden, es sei kulturell interessant, oder sie setzen sich ganz persönliche Ziele. Alle erfahren jedoch, dass das Unterwegssein zu einem Sinnbild für den eigenen Lebensweg werden kann. 

Im Kantons Solothurn sind vor allem Marienwallfahrtsorte wie Oberdorf, Wolfwil oder Meltingen beliebt. Das bedeutendste Pilgerziel ist jedoch Mariastein. Das Gnadenbild mit der lächelnden Madonna in der Felsenhöhle erinnert an die Rettung eines Kindes, das über den Felsen gestürzt ist. Darüber erhebt sich das Benediktinerkloster, das über die Jahrhunderte zum Herz des Solothurner Katholizismus geworden ist.  

 

 

 

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Nachtwanderung nach Mariastein

Die Nacht ist dunkel und windstill. Der Himmel ist bedeckt, sodass keine Sterne zu sehen sind. Ab und zu reisst die Wolken­decke auf und der Halbmond kommt für kurze Zeit zum Vorschein. Von weit her kann man tanzende Lichtpunkte sehen, begleitet von Gemurmel und dem Klappern der Wanderstöcke. Acht mutige Wanderer haben sich dieses Jahr wiederum aufgemacht, durch die Nacht nach Mariastein zu pilgern. Start ist die Schelten-Passhöhe. 29 Kilometer liegen vor ihnen. Zehn lange Stunden werden sie unterwegs sein, bis sie in Mariastein eintreffen werden, um die anschliessende Messe zu besuchen. Was bewegt diese Menschen dazu, diese Strapazen auf sich zu nehmen? Ist es das Gefühl, etwas erreicht zu haben? Oder ist man wirklich unterwegs, um seine Sünden zu tilgen? Nutzt man diese Zeit, um ein Zwiegespräch mit Gott zu führen? Oder ist man einfach nur unterwegs, weil man gerne wandert?

Seit dem 100-Jahr-Jubiläum der Pfarrkirche Balsthal im Jahr 2014 erfreut sich diese Pilgerwanderung jährlich wieder grosser Beliebtheit. Immer ist es eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die sich nicht oder nur flüchtig kennt. Doch am Ende der Wanderung fühlt man sich auf eine ganz besondere Art miteinander verbunden. Während der zehn Stunden, die man zusammen ist, hilft, unterstützt und motiviert man einander und man ist um eine Erfahrung reicher. Schon allein das ist es wert, beim nächsten Mal wieder mit dabei zu sein.

Renate Baumgartner

 

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Vom Gäu nach Mariastein 

Der diesjährige Tagesmarsch nach Mariastein war im April und verzeichnete erneut einen Teilnehmerrekord. Obwohl die Wetterprognosen nicht gut waren, brachen gegen 70 gut gelaunte und erwartungsfrohe Wanderer aus fast allen Gäuer Gemeinden sowie aus Olten auf. Zur sehr frühen Stunde starteten sie für eine herausfordernde Tagestour zum solothurnischen Wallfahrtsort. Die erste Etappe führte aus den verschiedenen Gemeinden nach Langenbruck zum Sammelpunkt der ganzen Pilgerschar. Dann ging es gemeinsam weiter über die Wasserfallen, die Nunnigerberge, an der Ruine Gilgenberg vorbei und durchs Kaltbrunnental. Der letzte Aufstieg durch das Dörfchen Blauen zum sogenannten «Metzerlenkreuz» zehrte zwar an den vorhandenen Kräften. Doch mit jedem Schritt kam der Zielort näher, und schon bald erblickten wir Mariastein mit seiner dominanten und prächtigen Klosterkirche. Wir haben es geschafft! 

Nach dem Besuch der Wallfahrtskirche mit der Gnadenkappelle trafen sich die Teilnehmenden gemütlich und entspannt zum gemeinsamen Nachtessen im Restaurant «Post». Dabei liess es sich der Abt des Klosters Mariastein, Peter von Sury, nicht nehmen, die Wanderer vom Jurasüdfuss kurz zu besuchen und ihnen zur vollbrachten Leistung zu gratulieren. Zwei Reisecars führten die Pilger zurück ins Gäu. Für alle wurde dieser Tag zu einem eindrucksvollen persönlichen Erlebnis. 

Bruno von Arx

 

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Pfarrei Welschenrohr, Fusswallfahrt nach Mariastein

Seit fast 70 Jahren organisiert die Pfarrei Welschenrohr jährlich eine Fusswallfahrt nach Mariastein. So starteten auch dieses Jahr um 5  Uhr morgens bei Regen zwei Frauen und ein Mann von der Tannmatt in Richtung Scheltenpasshöhe. Kurze Zeit später wurden sie vom Nebel behindert, kamen vom Weg ab und handelten sich zwei Stunden Verspätung ein. Dann ging es weiter Richtung Erschwil. Inzwischen waren längstens vier Teilnehmer – wetterbedingt per Auto – in Erschwil und zwei in Büsserach mit ÖV eingetroffen, ebenso der «Besenwagen». In der Kirche war ein erster Zehner des Rosenkranzes fällig für die persönlichen Anliegen und diejenigen der Pfarrei. Das wiederholte sich in Büsserach, Breitenbach, Brislach, Zwingen und Blauen. Gegen 14 Uhr trafen wir in Blauen ein, wo wir das Mittagessen einnahmen. Dann ging es weiter zum Metzerlenkreuz und hinunter nach Mariastein, wo wir müde, aber glücklich um 17 Uhr ankamen. Im Klostergarten wurden wir von Pater Norbert wie jedes Jahr mit Trank und Früchten empfangen. Individuell besuchten wir die Gnadenkapelle. Die Mehrzahl der Pilger kehrte wieder nach Hause zurück und nur ein kleiner Teil übernachtete in Mariastein für den Besuch des Sonntagsgottesdiensts mit den Mönchen. Mit dem Fussmarsch soll eine alte Tradition aufrechterhalten werden. Er ist aber auch Ausdruck der Verbundenheit mit dem Marienwallfahrtsort, wo jeder und jede seine Anliegen vorbringen kann.

Anton Strähl