Aktuelle Nummer 11 | 2019
26. Mai 2019 bis 08. Juni 2019

Editorial

Aufbruch in eine bessere Welt

Vor einem Jahr veröffentlichte Martin Werlen, Alt-Abt des Klosters Einsiedeln, sein Buch «zu spät». Er meinte damit, es sei nicht mehr möglich, die Kirche mit Reformen zu retten. Das sei in der Zeit seit dem Konzil verpasst worden. Vielmehr müsste neu entdeckt werden, wo der Geist Jesu unter den Menschen aufkeime. Nun ein Jahr später äussert sich der Einsiedler Mönch erneut und sagt, sein neues Buchprojekt handle von jungen Menschen. Seine Tätigkeit im Religionsunterricht und in der Jugendarbeit zeige zwar, dass sich die jungen Menschen nicht mehr für die Kirche interessieren. Aber diese Jugendlichen möchten eine bessere Welt. Sie setzen sich ein für Freiheit und Gerechtigkeit und gehen auf die Strasse für den Klimaschutz. Wenn man mit ihnen geht, ihnen zuhört, mit ihnen spricht, dann spürt man ihre Werthaltungen und ihr Engagement. Viele haben mehr vom Evangelium verstanden als manche Erwachsene. 

Diesen Weg mit jungen Menschen gehen Jugendorganisationen schon seit Jahrzehnten. Sie loten in ihrer Freizeitgestaltung mit Kindern und Jugendlichen die Spannungsfelder zwischen Wagnis und Rückhalt, zwischen Unabhängigkeit und Bindung aus. Das Bauen von Seilbrücken im freien Gelände steht dafür schon fast symbolisch. Dabei erleben sie Gemeinschaft, übernehmen Verantwortung und geben Fragen Raum, die auch existenzielle Dimensionen erschliessen. Glaubensthemen entstehen in ihrem gemeinschaftlichen Tun und im Engagement für eine bessere Welt, abseits von kirchlichen Strukturen. Die Herbert-Haag-Stiftung würdigt denn auch die kirchlichen Jugendverbände, weil sie ermöglicht haben, dass «Kinder und Jugendliche von Betreuungsobjekten zu Glaubenssubjekten» wurden. 

Ebenfalls für eine bessere Welt engagieren sich die kirchlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle. Sie tun dies seit 50 Jahren in ökumenischer Zusammenarbeit. Ihre Arbeit ist erfolgreich, denn es geht tatsächlich vielen Menschen weltweit besser. Doch der Weg zu gerechten und nachhaltigen Strukturen ist mühsam. Persönliche, wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Umkehr sind immer neu erforderlich. 

Ich wünsche Ihnen eine gute Fastenzeit unter dem Motto «Aufbruch in eine bessere Welt».

 

Kuno Schmid