Aktuelle Nummer 8 | 2019
14. April 2019 bis 27. April 2019

Schwerpunkt

Die Probe

von Carole Imboden-Deragisch

Das Stück «die Probe» handelt von einem Theater im Theater. Eine Theatergruppe probt das Passionsspiel und steht kurz vor der Premiere. Die Regisseurin unterbricht den Spielverlauf jeweils, wie es in einer Probe üblich ist, und bringt ihre Korrekturen an. In diesen Unterbrechungen stellen die Schauspielenden Fragen zu ihrer Rolle und setzen die Inhalte der Passionsgeschichte in einen Bezug zur heutigen Lebensrealität. 

Passionsspiel der besonderen Art 
Auf diese Weise wird «Die Probe» zu einem modernen Passionsspiel, das die Zuschauenden letztlich bei ihren eigenen Glaubens- und Lebensfragen abholt. Die Brisanz wie auch die Tragödie der biblischen Texte werden spürbar. Obwohl die Geschichte der Bibel und die Geschichte des Theaterteams zeitlich und geografisch weit auseinanderliegen, berühren sie sich und werden letztendlich zu einer einzigen Erzählung verbunden. «Die Probe» gibt keine fertigen Antworten, sondern will zu einer persönlichen Auseinandersetzung einladen. Das Passionsspiel will uns nicht nur eine Geschichte aus einer längst vergangen Zeit erzählen, sondern betroffen machen. Die Probe fordert uns heraus, unser eigenes Leben anzuschauen und uns Fragen zu stellen, die unser Leben mit dem Leben von Christus in Verbindung bringen. Was hat die Passion von Christus mit unserem eigenen Leben zu tun? Was kann und will uns Christus in der heutigen, modernen Welt denn sagen?

Fragen und Zweifel
Die Passion ist keine leichte Botschaft. Sie ist nicht nur Hülle. Sie verlangt, unseren Lebens- und Glaubensweg ernst zu nehmen und uns Fragen zu stellen. Und so tut es auch dieses Passionsspiel mit Unterbrüchen, unerwarteten Fragen und Auseinandersetzungen. So fragen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler im Stück, ob sie die Passionsgeschichte überhaupt glauben sollen oder können. Weil sie die Fragen und Zweifel offen zeigen, berührt es auf eindrückliche Weise zu hören, wie Jesus zu seinem Vater im Himmel spricht: «Lass mich nicht sterben, lass mich nicht allein. Du bist meine letzte Hoffnung! Ich will nicht sterben! Doch nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.»

Wer bin ich?
In einer weiteren Szene werden Fragen nach der Wahrheit oder nach der Identifikation gestellt. An wen werden sie gestellt? Wer steht denn nun überhaupt auf der Bühne? Sind es die Figuren des Passionsspiels oder die Schauspielenden mit ihren eigenen persönlichen Geschichten? Die Protagonisten verlieren sich so in ihrem Spiel. Am Ende können sie selbst nicht mehr unterscheiden, ob Vroni oder Maria Magdalena spricht, ob Paul den Charakter von Jesus oder den eigenen auf die Bühne bringt. Wer steht denn nun wirklich da? Wer bin ich? Es entwickeln sich spannende Identitätsfragen, die sich nicht mit äusserlichen Eigenschaften klären lassen: Ich bin Lehrerin? Ich lebe in Olten oder Solothurn. Ich bin männlich oder weiblich. Dies alles ist noch nicht wirklich der Kern, der uns ausmacht. Wer bin ich wirklich? 

Seelengrund des Menschseins
Die Fragen führen uns zum Grund unseres Menschseins. Dort finden wir unsere Prägungen, unsere Erfahrungen, dort zeigt sich unser Charakter – Stärken, Schwächen, Befindlichkeiten und Wünsche: «Ich zweifle oft an mir.» «Ich wurde schon unzählige Male gekränkt.» «Ich bin unversöhnt.» «Ich bin ehrgeizig.» «Ich bin ungeduldig.» «Ich kann nicht gut mit Kritik umgehen.» «Ich stehe gerne im Mittelpunkt.» «Ich bin egoistisch.» «Ich bin glücklich in meinem Leben.» «Ich sehne mich nach mehr Freiräumen.» «Ich träume von einem Leben, in dem alle Menschen ehrlich miteinander sind.» Wenn wir es zulassen, diesen Grund unseres menschlichen Wesens zu öffnen, auf solche inneren Stimmen zu hören, werden wir sehr verletzlich. Gleichzeitig eröffnet sich eine neue Zugänglichkeit zu unserer Seele und es werden Begegnungen möglich, die Tiefe haben, die uns berühren können.

Für Menschen da sein
Und genau solche Fragen nach den Menschen haben uns im Seelsorgeteam St. Ursen und St. Marien angesprochen und unser Interesse an diesem Passionsspiel geweckt. Wir möchten mit Menschen auf dem Lebens- und Glaubensweg sein. Wir möchten Menschen kennenlernen, in all ihren Verletzlichkeiten, mit all ihren Stärken und Schwächen. Wir möchten mit glaubenden und zweifelnden Menschen in Kontakt kommen. Wir wollen da sein, für Menschen, die auf der Suche sind. Wir wollen mit denen unterwegs sein, die schon Antworten gefunden haben, mit Menschen, die sich immer wieder neu herausfordern lassen und sich für den Glauben interessieren, mit Menschen, die Fragen haben und auf der Suche nach möglichen Antworten sind. Thomas Ruckstuhl, Pfarradministrator von St. Ursen und St. Marien, beschreibt es folgendermassen: «Wir wollen gemeinsam voranschreiten, Fragenstellen und Engagement zeigen. Und wir wollen nicht ausschliesslich Menschen ansprechen, die sich in den klassischen Liturgien zu Hause fühlen. Und so versuchen wir mit unseren vielseitigen Angeboten, unsere Mitglieder anzusprechen und Interesse am Glauben zu wecken.»

Eine attraktive Chance
Und da bietet sich das Passionsspiel «Die Probe» an. Wir wünschen uns, dass sich von diesem Theaterstück verschiedenste Menschen ansprechen lassen, ob kirchennah oder kirchenfern. Wir wollen die Menschen ermutigen, sich das Stück anzusehen und sich herausfordern zu lassen von den Fragen und Anregungen, die «Die Probe» mit sich bringt. Das Passionsspiel überzeugt, weil es keine pfannenfertigen Antworten liefert, aber doch da und dort Antwortansätze gibt. Es orientiert sich am Leben der Menschen und zeigt dabei auf, wie vielfältig, spannungsvoll und schwierig das Zusammenleben sein kann und wohl auch immer schon war. Und somit packen wir die Chance, mit dem eigenen Leben und Glauben in eine Auseinandersetzung zu gehen und laden Sie herzlich zu diesem Theaterstück ein. Wir freuen uns darauf!   

 

Einführung 
in «Die Probe. Ein Passionsspiel»

Mittwoch, 3. April 2019, 19.30 Uhr 
Zentralbibliothek Solothurn 
mit dem Autor und Regisseur Christoph Schwager

 

Aufführungen 
«Die Probe. Ein Passionsspiel»

St. Johannes-Kirche, Härkingen
Donnerstag, 4. April 2019, 20.30 Uhr 
Freitag, 5. April 2019, 20.30 Uhr 
Samstag, 6. April 2019, 20.30 Uhr  

St.-Mauritius-Kirche, Dornach
Donnerstag, 11. April 2019, 20.30 Uhr
Freitag, 12. April 2019, 20.30 Uhr
Samstag, 13. April 2019, 20.30 Uhr  

St.-Marien-Kirche, Solothurn
Dienstag, 16. April 2019, 20.30 Uhr
Mittwoch, 17. April 2019, 20.30 Uhr
Karfreitag, 19. April 2019, 20.30 Uhr

 

Tickets und Informationen: www.dieprobe.ch