Aktuelle Nummer 07 | 2020
29. März 2020 bis 11. April 2020

Editorial

Freitag

Der Freitag hat ein ganz anderes Image als beispiels­weise der Montag. Man ist zwar ebenfalls müde nach einer strengen Woche, aber für viele Menschen ist die Stimmung heiter. Das Wochenende naht. Vielleicht liegt es am Namen. Freitag klingt nach Freiheit und Freizeit, auch wenn die Bezeichnung eigentlich von der germanischen Göttin Freya stammt. Doch am Freitagabend beginnt die arbeitsfreie Zeit. Deshalb wird er immer mehr schon ins Wochenendprogramm einbezogen.

Früher war der Freitag für Katholiken ein besonderer Tag. Übers ganze Jahr gabs am Freitag kein Fleisch. Jeder Freitag war ein Fasttag. Es gab eine Suppe als Mittagessen oder einen Früchtekuchen. Der Freitag war der Gedenktag an den Erlösertod Jesu, deshalb wurden Zeichen des Verzichts und der Dankbarkeit gesetzt. Seither haben sich die Ernährungsgewohnheiten geändert. Vegetarisch oder vegan zu essen wurde hipp, wurde zum Kult ohne Bezug zum christlichen Glauben. Fleischlos zu essen war nicht mehr ein katholisches Erkennungszeichen. Die äusseren Kirchenvorschriften fielen zugunsten der Besinnung auf die innere ­Haltung weg.

Heute bringt uns die Klimajugend den Freitag erneut ins Bewusstsein als «Fridays for Future», Freitage für die Zukunft. Und wieder ist von Verzicht und Besinnung die Rede. Fleischlos essen, Plastik vermeiden, Autofasten, Flugverzicht, Besinnung auf die Zukunft der Welt. Dazu kommt aber auch der Protest gegen Zerstörung und Raubbau an der Natur und gegen Ungerechtig­keiten. Es geht jungen Menschen nicht um Christologie im engeren Sinn, sondern um den Stopp der Klima­erwärmung, um die Bewahrung der Schöpfung, um die Rettung des Lebens.

Die Fastenopferkampagne zeigt, dass diese Forderungen viele Gemeinsamkeiten haben mit der christlichen Fastentradition. Papst Franziskus hat in mehreren Schreiben die theologischen und spirituellen Gemeinsamkeiten mit der Klimabewegung im Sinne einer erweiterten Christologie reflektiert. Findet der katholische Fastenfreitag eine Renaissance in den «Fridays for Future»?

Ich wünsche Ihnen neue Aufmerksamkeit für den Freitag, gerade jetzt in der Fastenzeit.

Kuno Schmid