Aktuelle Nummer 15 | 16 | 2019
21. Juli 2019 bis 17. August 2019

Editorial

Die Friedenslampe

Ende März 2019 erhielt der König von Jordanien, Abdullah II, begleitet von Königin Rania, in Assisi die Friedenslampe der Franziskaner. Diesen Preis in Form einer Öllampe erhalten Personen, die sich besonders für Dialog und Frieden engagieren. Die Laudatio hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel, die selbst auch Trägerin der Friedenslampe ist. Sie dankte Jordanien für die grosszügige Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen. Über Jahrzehnte waren es Vertriebene aus Palästina und in den letzten Jahren Kriegsopfer aus Syrien. Wenn sie die Zahl der Flüchtlinge im Verhältnis zur Bevölkerung betrachte, hätte Deutschland in der gleichen Zeit 5,7 Millionen Syrienflüchtlinge aufnehmen müssen. Merkel würdigte auch das Engagement des Königspaars für den Dialog zwischen Muslimen und Christen und für das Einstehen zugunsten der christlichen Minderheiten im Nahen Osten. So feierten am 25. März in Jordanien Muslime und Christen gemeinsam das Fest «Mariä Verkündigung». 

Bei der Übergabe der Friedenslampe wurde an die Begegnung zwischen Franz von Assisi und dem Sultan Al-Maliki vor 800 Jahren erinnert. Die beiden versuchten damals weiteres Blutvergiessen im Rahmen der Kreuzzüge zu verhindern. Im Gedenken an diese historische Begegnung setzte auch Papst Franziskus den Akzent auf den Dialog mit dem Islam. Er reiste als erster Papst auf die Arabische Halbinsel und unterzeichnete in Abu Dhabi gemeinsam mit dem Grossimam von Kairo, Ahmad Al-Tayyeb, das Dokument für «Brüderlichkeit und friedliches Zusammenleben». Auch in Marokko betonten Papst und König die Freundschaft und das gemeinsame Engagement gegen Fundamentalismus. Sie forderten einen Sonderstatus für Jerusalem als heilige Stadt dreier Religionen. Pikantes Detail: Der Papst liess sich in Marokko ein Seminar zeigen, in dem Imame und Imaminnen ausgebildet werden. Man darf gespannt sein, ob Franziskus bei einem Gegenbesuch den islamischen Führern auch das erste Seminar für Priesterinnen und Priester wird vorstellen können. Noch gilt es jedoch nüchtern zu bleiben, denn in beiden Religionsgemeinschaften haben verbreitet konservative Kräfte das Sagen. 

Ich wünsche Ihnen, dass die Friedenslampe auch für Sie zu einem Zeichen österlicher Hoffnung wird.

 

Kuno Schmid