Aktuelle Nummer 25 | 2019
08. Dezember 2019 bis 21. Dezember 2019

Editorial

Himmel

Am Morgen, beim ersten Blick aus dem Fenster, tut uns ein blauer Himmel schon gut. Liegt es an der blauen Farbe? Und warum ist er eigentlich blau? Die Erklärung, dass es mit der Brechung des Sonnenlichtes in der Atmosphäre zu tun hat und andere Spektralfarben wegreflektiert werden, ist vielleicht interessant. Aber die Faszination des blauen Himmels liegt nicht auf dieser Ebene.
In ihm liegt vielmehr eine Verheissung, dass es heute gut wird. Der Himmel mit seiner Weite und Unbegrenztheit, mit seinem Licht und seiner Freundlichkeit wird zu etwas, das wir auch auf andere Erfahrungen übertragen. Wir sagen dann, es sei himmlisch, es sei ein besonders schöner Moment, der uns vorkommt wie im Himmel. Wir fühlen uns glücklich, und alles stimmt irgendwie. Himmel ist ein Idealzustand, ein Sehnsuchtsort. Deshalb wird der Himmel auch zum Ort, den wir uns für die Verstorbenen wünschen. Wir sagen, sie sind im Himmel und meinen damit, sie sind bei Gott. 

Im Englischen wird unterschieden zwischen Sky, dem blauen Himmel des Universums, und Heaven, dem Himmel der Sehnsucht, des Jenseits und des Glücks. Heaven ist der Himmel, der unsere Wahrnehmung und Vorstellung übersteigt, transzendiert. Er ist da, wo das «Reich Gottes» ist, wie es Jesus nennt. Und dieser Himmel sei mitten unter uns. Der Himmel Jesu beginnt überall dort, wo Menschen das Menschsein ernst nehmen, sich miteinander streiten, versöhnen und freuen, sich für Gerechtigkeit und Zukunft einsetzen, sich in seinem Namen versammeln. Der sichtbare Himmel, das erfahrbar Gerechte und Himmlische auf Erden, verweist symbolisch auf den unsichtbaren und verheissenen göttlichen Himmel – und umgekehrt. «Wie im Himmel, so auf Erden» beten wir im Vaterunser.

Ich wünsche Ihnen entspannte Blicke zum Himmel und symbolische Gedanken darüber hinaus.

Kuno Schmid