Aktuelle Nummer 17 | 2019
18. August 2019 bis 31. August 2019

Jugend

«Das wird eine weitere wichtige Etappe in meinem Glauben sein»

von Daniele Supino

Der 17-jährige Leonardo Schepp aus Lüsslingen ist schweizerisch-mexikanischer Doppelbürger, und spricht deswegen deutsch und spanisch. Er ist im ersten Lehrjahr als Kons­trukteur bei der Depuy Synthes in Hägendorf. In seiner Freizeit fährt er Mountainbike (auch lange Routen). Ich traf Leonardo nach einem Arbeitstag, zehn Tage vor seiner Firmung.

Wie bist du zu diesem Beruf gekommen?
Zu Beginn hatte ich überhaupt keine Ahnung, was ich lernen sollte. Dann haben mich zwei Freunde in der Pfadi St. Ursen, die auch die Konstrukteurslehre machen, dazu motiviert, in diesem Bereich schnuppern zu gehen. Ich schnupperte auch als Landschaftsgärtner und als Milchtechnologe, aber das hat mich nicht so angezogen. Immer klarer sah ich die Vorteile der Konstrukteurslehre und so habe ich mich dazu entschlossen. Jetzt bin ich sehr glücklich darüber, ich habe ein super Verhältnis zu meinen Lehrmeistern und den anderen Lehrlingen. 

Worauf muss man bei der Berufswahl achten?
Geh möglichst viel schnuppern, diskutiere mit deinen Eltern über mögliche Lehren, schaue nicht nur auf den Lehrlingslohn und sei dir bewusst, dass – egal wo – du viel Durchhaltevermögen brauchst.

Was hat sich für dich verändert?
Zuerst einmal muss ich viel früher aufstehen, so um 5 Uhr, damit ich pünktlich bei der Arbeit erscheine. Dann muss ich viel länger am Stück konzentriert bleiben, ich habe nicht mehr so viele Pausen wie vorher in der Schule. Die Berufsschule ist anspruchsvoll, ich repetiere täglich eine Stunde den Schulstoff. Deshalb muss ich meine Zeit, vor allem meine Freizeit, viel bewusster einteilen als vorher.

Fühlst du dich nun erwachsener?
Ich finde, dass Erwachsenwerden ein langsamer Prozess ist. Ich fühle mich nicht plötzlich erwachsen. Ich bin pünktlich, gebe mein Geld nicht unvernünftig aus und lerne regelmässig, aber das tat ich schon vorher in der Schule, nicht erst seit Beginn der Lehre.

Welchen Bezug hast du zur Religion?
Einen sehr starken! Meine gläubige Mutter erzählte mir immer Bibelgeschichten, und mit der Zeit, insbesondere seit der Erstkommunion, ist mein Glaube stetig gewachsen. Ich gehe jeden Sonntag in die St. Ursen-Kathedrale zur Messe und ministriere freiwillig. Ich mache das mit grosser Freude, es ist ein Hobby! In einer Woche werde ich gefirmt, das wird eine weitere wichtige Etappe in meinem Glauben und in meinem Leben sein.

Wie sieht deine Zukunft aus?
Nach der Lehre will ich die Berufsmatur machen und dann die Rekrutenschule absolvieren. Dann ist noch alles offen, aber es reizt mich, an der ETH Maschineningenieurwissenschaften zu studieren.