Aktuelle Nummer 19 | 2019
15. September 2019 bis 28. September 2019

Editorial

Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Vor 30 Jahren fand in der Konzilsstadt Basel die ökumenische Versammlung zu «Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung» statt. Nach langem Ringen konnten sich die katholischen Bischofskonferenzen Europas mit der Konferenz europäischer Kirchen auf eine gemeinsame Grossveranstaltung einigen. Die Konferenz europäischer Kirchen umfasste die Kirchenleitungen der orthodoxen, anglikanischen, christkatholischen und evangelischen Kirchen. In allen Ländern gab es Vorbereitungstreffen. Die Versammlung war ein ökumenisches Ereignis, das man so noch nie erlebt hatte. 

Die Basler Versammlung wurde auch zu einem politischen Ereignis. Nach langem Hin und Her durften auch kirchliche Delegationen aus den kommunistischen Ländern Osteuropas daran teilnehmen. Unüberwindbare Grenzen wurden ein wenig geöffnet. Es war ein Beitrag zur Dynamik, die ein halbes Jahr später zum Fall der Berliner Mauer führte. Die konfessionellen Grenzen sind dagegen hartnäckiger geblieben, deren Überwindung steht bis heute an. 

Ein solches «Konzil der Christenheit» hatte der Physiker und Philosoph Friedrich von Weizsäcker in seinem Buch «Die Zeit drängt» gefordert. Mit «Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung» identifizierte er die drei grossen Herausforderungen, die sich der Menschheit stellen und für deren Lösung die Christen gemeinsam hinstehen sollen. Die Bewegung setzt sich bis heute fort im Engagement zahlreicher Hilfswerke und nicht zuletzt in den Klimademonstrationen der Jugendlichen. 

Damals veranstaltete das Friedensdorf Flüeli-Ranft zusammen mit dem Kolpingwerk einen Friedensmarsch vom Ranft nach Basel. Wir trugen in Flaschen Ranftwasser mit. Mit dem Wasser wurde die Linde gepflanzt und begossen, die heute noch beim Basler Münster an die Versammlung erinnert. Mit dem Ranftwasser wurde auch die Friedensbotschaft von Bruder Klaus nach Basel getragen. Für ihn war Frieden zentral. Im Brief an die Stadt Konstanz mahnte er, Frieden lasse sich nicht durch Gewalt und nicht durch Schiedsspruch erzwingen. Er wurzelt in Gott und entsteht in Begegnung und Gespräch, im langwierigen Aushandeln eines tragfähigen Kompromisses. 

Ich wünsche Ihnen solche friedenschaffende Begegnungen, Erinnerungen und Gespräche.

 

Kuno Schmid