Aktuelle Nummer 19 | 2019
15. September 2019 bis 28. September 2019

Jugend

Sehen mit den Augen und erleben mit dem Herzen

von Sophie Deck

Manchmal kommt es anders als geplant. So ist es mir auf meiner Reise ergangen, bei der ich schlussendlich in einer Hostelküche in Zagreb angekommen bin. Dort stand an der Wand: «Du wirst es sehen, wenn du es glaubst.» Die Worte sind wie eine Zusammenfassung meiner Erlebnisse. Aus der Reise ist mehr als ein Trip geworden, und das macht mich glücklich.

Als ich mich Ende April auf den Weg machte, war eine Rundreise durch Südeuropa geplant, von Italien über Griechenland bis nach Spanien. Von Madrid aus würde ich dann nach einem Monat wieder zurückfliegen. Schlussendlich kam ich erst im Juni nach Hause – aus Kroatien; in Spanien war ich nie angekommen. Darüber machten wir uns während unserer gemeinsamen Wochen oft lustig. Wir, das sind Lauren, Hana und ich.

Die beiden Neuseeländerinnen lernte ich im kleinen Garten hinter dem Hostel in Florenz kennen, von wo aus man über die ganze Stadt sehen konnte. Ich hatte ihnen meine Reisepläne erzählt. Doch je länger der Abend dauerte, um so klarer wurde es: Wir wollten gemeinsam weiterreisen. Zwei Neuseelän­derinnen und eine Schweizerin, die an einem kalten Abend in der Toscana ins Gespräch gekommen waren, machten sich gemeinsam auf, weil sie sich nicht mehr trennen wollten.

Ich schloss mich ihnen an für eine Tour durch Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn und Kroatien. Ohne gross nachzudenken, machten wir uns auf den Weg, weil es sich so richtig anfühlte, weil einfach alles passte. Und ich hatte es nicht eine Sekunde bereut. Die folgenden Wochen waren einige der schönsten meines Lebens, und die Orte, die wir gesehen haben, die Leute, die wir kennengelernt haben und die Nähe, die wir zueinander aufgebaut haben, sind unbezahlbar und durch nichts zu ersetzen.

Ich schaue in den Sonnenaufgang und denke an die Erlebnisse zurück. Es ist eigenartig, wie man manchmal Dinge stundenlang plant, überdenkt und trotzdem zu keinem überzeugenden Entschluss kommt. Und dann gibt es diesen einen Moment, in dem einem auf einmal alles klar wird, und man sich fragt, wie man je zweifeln konnte. Dieses stimmige Gefühl und die fast kindliche Zuversicht sind ein Geschenk des Himmels. Dafür braucht man keinen guten Grund, denn die wirklich wichtigen Entscheidungen trifft man nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herz.