Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Editorial

Ökumenische Haltung

Sammeln und senden gelten als zwei Grundaufgaben christlicher Kirchen. Das Sammeln (Communio) steht für die Zusammenführung der Gläubigen zu einer Gemeinschaft. «Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen», sagt Jesus. In seinem Auftrag werden sie zu Gruppen, Vereinen und Bewegungen organisiert und vernetzt, insbesondere aber zur Eucharistie um den Altar ­versammelt.

Die Sendung (Missio) verläuft in der entgegengesetzten Richtung. Da geht es darum, die Gläubigen hinaus zu senden in die Welt. Sie sollen die christliche Botschaft unter den Menschen in Beruf, Freizeit, Familie und Alltag leben. Das Taufsteintuch soll dafür im Weltmissionsmonat Bild und Zeichen sein (Seite 4). Das Tuch leitet die Schritte vom Taufbecken hinaus ins Leben und erinnert an die Sendung aufgrund der Taufe. In Gebet und tätiger Nächstenliebe, im sozial- und umweltpolitischen Engagement, in Bildung und Erziehung, in ethischen und menschenrechtlichen Debatten soll Christsein erkennbar und glaubwürdig werden. Diese zweite Aufgabe fällt uns schwerer. Selbst im ausserordentlichen Missionsmonat hört man oft: Wie bringt man die Menschen wieder in die Kirche. Und schon sind wir wieder beim Sammeln. 

Für eine glaubwürdige Sendung ist heute eine ökumenische Haltung Voraussetzung. Nur wenn «Mission» nicht als Bekehrung oder Vereinnahmung, sondern als gemeinsames Ringen um Sinn und Gerechtigkeit spürbar wird, ist sie verständlich. Es funktioniert nicht, aus Juden Christen oder aus Protestanten Katholiken machen zu wollen. Die je Anderen wollen auf gleicher Augenhöhe ernst genommen werden. Dies gilt es auch für den Umgang mit sogenannten Konfessionslosen zu bedenken. Nach dem Dialog unter den Konfessionen (Ökumene 1) und mit anderen Religionen (Ökumene 2) braucht es eine dritte Art von Ökumene mit Konfessionslosen (Ökumene 3). Anstatt sie als Ungläubige zu disqualifizieren, können vielfältige Formen der Zusammenarbeit genutzt werden. Daraus können sich Gespräche ergeben, die neue Sichtweisen eröffnen und die manches im eigenen Glauben und Denken klären und schärfen helfen.  

Ich wünsche Ihnen wertvolle Begegnung in allen drei Arten der Ökumene.

  

Kuno Schmid