Aktuelle Nummer 25 | 2019
08. Dezember 2019 bis 21. Dezember 2019

Focus

«In Sorge um unser gemeinsames Haus»

Bischöfe und Kardinäle, Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Gemeinschaften sowie Ordensleute aus der Amazonasregion brachten die akute Gefährdung des Amazonasraums und damit unseres ganzen Planeten auf die Agenda der Weltkirche. Nach intensivem, zweijährigem synodalem Vorbereitungsprozess, bei dem sie über 85000 Menschen befragten, kamen die Synodenväter und Synodenmütter bestens vorbereitet nach Rom. Sie berichteten vom Schrei der bedrohten Völker, von der Zerstörung ihres Lebensraums und von der Personalnot der Kirche.

In offener Atmosphäre wurde in den Synodensitzungen aufeinander gehört und miteinander geredet. Mehrmals forderte der Papst dazu auf, über eng gesetzte Rahmen und Grenzen hinaus zu denken und neue Wege für die Bewahrung der Schöpfung und die Erneuerung der Kirche zu suchen. Im Vatikan wurde die Lebenskraft und Lebensfreude Amazoniens, ihre Farbenpracht und Musik sichtbar und spürbar. 

Im Schlussdokument hat die Synode den Schutz des gemeinsamen Hauses Erde als dringlich erklärt und klar formuliert, dass die Kirche an der Seite der indigenen Völker steht. Dies stärkt die Gläubigen vor Ort im Engagement gegen Ausbeutung und menschenverachtende Politik und verlangt eine Änderungen unseres Lebensstils und Wirtschaftens. Damit die Kirche auch in den abgelegenen Regionen präsent sein kann, schlägt die Synode die Priesterweihe für bewährte, verheiratete Gemeindeleiter vor. Sie fordert auch, dass die Schaffung von Leitungsämtern für Frauen und die Möglichkeit zum Diakonat der Frau weiter vorangetrieben wird. Manches ist im Schlussdokument abgeschwächt formuliert worden, und es wird spannend sein, wie es Papst Franziskus aufnehmen wird. Die Amazoniensynode hat den Stein auf jeden Fall ins Rollen gebracht.