Aktuelle Nummer 02 | 20 | 2020
19. Januar 2020 bis 01. Februar 2020

Editorial

Advent

Advent(us) ist das lateinische Wort für «Ankunft». Eine Ankunft ist Abschluss und Beginn zugleich, sie liegt irgendwie dazwischen. Die Ankunft bedeutet das Ende einer Reise, wenn man angekommen ist, wenn man das Ziel erreicht hat. Man hat jedoch die Reise unternommen, weil man am Ankunftsort etwas vorhat. Deshalb ist die Ankunft gleichzeitig der Anfang des eigentlichen Vorhabens, einer Begegnung, einer Arbeit, einer Feier, oder man ist zu Hause angekommen. 

Jahreszeitlich steht der Advent für die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Als Ankunftszeit steht das Weihnachtsfest am 25. Dezember fest. Die Kinder können es kaum erwarten, und die Erwachsenen müssen gleichzeitig noch manches abschliessen und planen. Für Christen geht es um die «Ankunft Christi» in der Welt, um seine Menschwerdung. Es geht gleichzeitig um die Ankunft seiner Botschaft und seiner Gegenwart im Leben der Menschen und um die Hoffnung auf die Ankunft Christi am Ende aller Zeiten.

Der diesjährige Advent erinnert zudem an ein besonderes Jubiläum. Vor 50 Jahren wurde die Liturgiereform in Kraft gesetzt. Sie wurde von der liturgischen Bewegung über Jahrzehnte gefordert und vom Konzil beschlossen. Mit der Reform wurde insbesondere die Eucharistiefeier auf die ursprüngliche Tradition zurückgeführt und verständlicher gestaltet. Für die meisten blieb die Umstellung vom Lateinischen auf die nun deutsch gesprochenen Texte in Erinnerung. Doch das Reformanliegen griff tiefer: Nicht mehr der Priester allein, sondern das ganze Volk Gottes soll die Eucharistie feiern. Einer oder mehrere Priester stehen der Feier zwar vor. Christus ist aber in der ganzen Gemeinde gegenwärtig, die sich in seinem Namen versammelt. Im Hören auf sein Wort und in der Feier des gemeinsamen Mahls von Brot und Wein schenkt er sich selbst. Die Erneuerung war eine Rückbesinnung auf die lange Tradition vor der klerikalen Verengung der letzten Jahrhunderte. Die Liturgiereform war eine wirklich adventliche Umkehr. Sie war Abschluss und Beginn eines Prozesses, der alle bis heute betrifft und auch bei der blockierten Ämterdiskussion bedacht werden sollte.  

Ich wünsche Ihnen adventliches An- und Weiterkommen.

Kuno Schmid