Aktuelle Nummer 15 | 16 | 2020
19. Juli 2020 bis 15. August 2020

Editorial

Schenken

Kinder freuen sich auf zwei Tage ganz besonders: Geburtstag und Weihnachten, weil es Geschenke gibt. Nicht immer und überall werden die Kinder jedoch zu Weihnachten beschenkt. Je nach Gegend und Familien-
tradition erhalten die Kinder Geschenke erst zum Neujahr oder zum Dreikönigstag. Die Geschenke werden vom Christkind, vom Weihnachtsmann oder von der Befana überbracht. 

Beim Nachdenken über den Sinn des Schenkens ist für das Christentum der Bezug zu Weihnachten zentral, weil die Geburt Christi das eigentliche Geschenk an die Menschheit ist. Deshalb passt es, sich gegenseitig an Weihnachten zu beschenken. Die Geschenke können diese Zuwendung Gottes symbolisieren. Jede und jeder soll erfahren, dass er nicht vergessen wird, dass sie dazu gehört, ein geliebtes Kind Gottes ist. Dieser Sinngehalt ist heute nicht mehr so leicht zu verstehen, denn mit dem steigenden Wohlstand der letzten Jahrzehnte hat sich die Geschenkkultur zu einer Art Konsumrausch gewandelt. Aber trotz der Kommerzialisierung hat das Fest seine Botschaft und das Schenken seine Bedeutung nicht verloren. 

Das Schenken gehört schon immer zum Zusammenleben der Menschen und ist eine Art gesellschaftliches Ritual. Man erhält Geschenke, wenn Freunde oder Gäste kommen oder bei Festen und Ehrungen, und man erwidert solche Gesten. Geschenke sind Ausdruck der Wertschätzung, der Zuneigung, der Dankbarkeit. Sie haben eine soziale Funktion und schaffen Verbundenheit. Schenken kommt von einschenken, dem Fremden oder dem Gast etwas anbieten, etwas zum Trinken reichen. Es geht darum, so eine Beziehung zu schaffen und zu pflegen. Man schenkt ein, stösst an und wünscht sich Wohlergehen, Glück und Gesundheit. Einschenken und Schenken ergänzen die guten Wünsche und gehören zum Übergang in ein neues Jahr. Und wenn ein materielles oder immaterielles Geschenk passt und ankommt, fühlt sich sowohl der Beschenkte als auch der Überbringer glücklich. 

Ich wünsche Ihnen viel Glück beim Schenken zu Weihnachten und alles Gute zum neuen Jahr.

 

Kuno Schmid