Aktuelle Nummer 04 | 20 | 2020
16. Februar 2020 bis 29. Februar 2020

Editorial

Heldenhaft

Zum Jahresbeginn rücken oft Persönlichkeiten ins Blickfeld, die ein Jubiläum feiern können und aufgrund ihrer Leistungen im Gedächtnis geblieben sind. Wie ein «Denkmal» fordern sie auf, mal nachzudenken. Manche haben uns bis heute etwas zu sagen. 

2020 wird von einem Beethovenjahr gesprochen, weil der grosse Komponist vor 250 Jahren in Bonn geboren wurde. Seine Werke haben die europäische Musik auf einen Höhepunkt geführt und nachhaltig geprägt. Mit seiner Musik engagierte er sich im Spannungsfeld von sicherer Struktur und Aufbruch, von Tradition und Revolution für eine demokratische Gesellschaft, geprägt von Freiheit und Freundschaft. 

Ähnliche Spannungsfelder erinnern an ein Ereignis vor 40 Jahren. Der Vatikan entzog dem Schweizer Theologen Hans Küng die kirchliche Lehrerlaubnis. Es war einer der vielen Versuche, kirchliche Aufbrüche zu stoppen und kritische Theologen zum Schweigen zu bringen. Doch Küng liess sich nicht aus der Kirche drängen. Er entfaltete mit dem «Projekt Weltethos» ein Werk und Engagement, das ihn laut dem deutschen Bundespräsidenten Walter Steinmeier zu einem der weltweit bedeutendsten Geisteswissenschaftler der Gegenwart werden liess. So wurde der Held von damals eine geistliche Autorität und Gesprächspartner vieler Politiker und Religionsführer, ja sogar der Päpste Benedikt und Franziskus.  

Weitere heldenhafte Personen liessen sich 2020 in diese Reihe stellen, wie der Ordensgründer Dominikus, der Kunstmaler Raffael, der Philosoph Hegel oder die Reformpädagogin Montessori. Letztere engagierte sich besonders für benachteiligte Kinder, damit diese «Baumeister ihrer selbst» werden und als junge Menschen gestärkt den eigen Heldenweg gehen konnten. 

Gegenwärtig wird Greta Thunberg als Heldin bewundert. Der jungen Frau aus Schweden ist es gelungen, weltweit die Jugend aufzurütteln und die dringende Problematik des Klimawandels in das weltweite Bewusstsein zu rücken. Sie fordert Umkehr und ist zur Ikone für ein Anliegen geworden, das von vielen bis in die Gegenwart verdrängt oder gar bekämpft worden ist.

Ich wünsche Ihnen viel Aufmerksamkeit, auch für verborgene «Denkmäler» und Helden des Alltags.

 

Kuno Schmid