Aktuelle Nummer 07 | 2020
29. März 2020 bis 11. April 2020

Editorial

Umkehr

Die Fastenzeit dient traditionell dem Nachdenken über das eigene Leben, der Überprüfung und Erneuerung von Lebenshaltung und Lebenspraxis, kurz der Umkehr. Die Fastenopfer-Aktion leitet dazu an. Die Notwendigkeit von Veränderungen wird deutlich angesichts der Zerstörung der Schöpfung, der sozialen Ungerechtigkeit und der Benachteiligung von Menschen aus anderen Kulturen. Papst Franziskus schreibt dazu in seinem Amazonas-Schreiben, dass es zur Lösung eine Umkehr aller Menschen braucht. Gefordert ist ein Lebensstil, der kritisch und mässigend mit Konsumgütern umgeht und dabei immer die Folgen für die Menschen und die Natur mitbedenkt. Gefordert ist ein Wirtschaften, das die Rechte und Lebensgrundlagen der Menschen in anderen Ländern ebenso respektiert wie bei uns. Gefordert ist eine Öffentlichkeit, die sich prophetisch empört über die «Ungerechtigkeiten und Verbrechen», wie sie Papst Franziskus benennt. Gefordert sind kritische Christinnen und Christen, die sich nicht durch Kampagnen der Konzerne und Politiker einschüchtern lassen, sondern mutig für die Vision einer nachhaltigen und gerechten Welt einstehen. Das gehört heute zu Umkehr und Nachfolge Jesu. 

Nun ist Papst Franziskus enttäuscht darüber, dass seine dringende Botschaft vielerorts nicht verstanden und nur über die fehlenden Aussagen zu Zölibat und Weihe der Frauen diskutiert werde. Dabei unterschätzt er die Erwartungen der Menschen angesichts der weltweiten Krise der Kirche im Gefolge des gesellschaftlichen Wandels und der nicht enden wollenden Missbrauchs­skandale. Er unterschätzt, dass das überkommene Frauenbild und kirchliche Amtsverständnis in der Gegenwart nicht mehr kommunizierbar sind und eine Erneuerung brauchen. Wer von der Welt und den Menschen Umkehr und Erneuerung verlangt, muss auch im eigenen Verantwortungsbereich Schritte tun, um seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Denn die Kirche verkündet ihre Botschaft nicht nur mit Worten, sondern auch durch ihre Sozialgestalt.

Unterstützt durch die Fastenopfermaterialien wünsche ich Ihnen Zeiten der Empörung, des Nachdenkens und der Umkehr.

Kuno Schmid