Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Editorial

Leitmedienwechsel?

Fachleute sprechen von einem Leitmedienwechsel, einem epochalen Wandel von der Buchdruck- zur Informatik-
gesellschaft. 
Der Buchdruck ermöglichte zu Beginn der Neuzeit immer grösseren Bevölkerungskreisen Zugang zu Informationen und Bildung und beförderte einen nachhaltigen Umbruch. Die gedruckten Bücher und Zeitschriften wurden zum Leitmedium. Die Reformation vor 500 Jahren kann nicht unabhängig von diesem Leitmedienwechsel betrachtet werden.  

Heute findet ein ebenso grundlegender Leitmedienwechsel statt. Für die meisten Menschen sind multimediale Computer, Smartphones oder Tablets die erste Adresse, um sich zu informieren, zu unterhalten oder um zu kommunizieren. Dadurch verändert sich unsere Lebenswelt, verändern sich Vorgehensweisen, Denken und Handeln, verändern sich Formen der Kommunikation und Autoritäts- und Referenzgrössen. Nebst vielen Vorteilen werden auch Gefahren deutlich, und die Folgen sind  – ähnlich wie vor 500 Jahren – für uns Zeitgenossen kaum absehbar. 

Was bedeutet ein solcher Leitmedienwechsel für das Christentum, das als sogenannte Buchreligion gilt? Verschwindet mit der Buchdruckgesellschaft auch der christliche Glaube? Für Christinnen und Christen steht hinter Texten, Büchern oder medialen Präsentationen das eigentliche «Leitmedium», Jesus Christus, als das menschgewordene Wort Gottes. Religiöse Bücher, Blogs oder Tweets sind Medien, welche dieses personale Wort Gottes wahrnehmbar und zugänglich machen. Sie bedienen sich der Sprache und der Mittel der jeweiligen Zeit. Deshalb ist es auch sinnvoll, die Bibel immer wieder so ins Gespräch zu bringen, dass die Menschen der Gegenwart einen Zugang zu den Beziehungsgeschichten zwischen Gott und den Menschen finden. Die neue Einheitsübersetzung leistet einen Beitrag dazu, und sie wird bestimmt bald auch online zugänglich sein. Denn es gilt, den gesellschaftlichen Leitmedienwechsel nicht zu verpassen, sondern für die kirchliche Arbeit zu nutzen. «Bruder Klaus» postet deshalb fiktiv Blogs auf www.bruderklausblog.ch mit lesenswerten Kurzinformationen. Und selbst das «Kirchenblatt» können Sie sowohl gedruckt als auch online lesen www.kirchenblatt.ch.

Ich wünsche Ihnen viele interessante Zugänge und Einblicke, egal ob gedruckt oder online. 

Kuno Schmid