Aktuelle Nummer 26 | 2017
10. Dezember 2017 bis 23. Dezember 2017

Hoffnungszeichen im Handeln

Gedanken zum Sonntag, 10. Dezember 2017

2. Adventssonntag. Bibeltexte: Jes 40,1-5.9-11; 2 Petr 3,8-14; Mk 1,1-8.

 

„Wenn ich in die Welt sehe, dann können einem die Tränen kommen...“ so äusserte sich letzthin eine Bekannte von mir. Sie bringt etwas auf den Punkt, was ich bei vielen Menschen in meinem Umfeld häufig höre. Da ist das Burnout von Kolleginnen, das Ausnützen von Menschen am Arbeitsplatz, der Krieg in Syrien, die Flüchtlingskrise und der amerikanische Präsident. In all diesen Geschichten steckt viel Verunsicherung.

Ganz Ähnliches traf Jesaja etwa 500 Jahre vor Christus an. Das Volk Israel war fern der Heimat im Exil und ein Ende war nicht abzusehen. Viele sahen kaum mehr eine Zukunft. Gleichwohl breitet Jesaja in seiner Rede eine wunderbare Landschaft vor den Augen der Israeliten aus. Krummes soll gerade, Abgestorbenes lebendig werden.

Dieses Bild nehmen auch die ersten Sätze im Markusevangelium auf. Ein Neubeginn wird erzählt. Der Anfang des Evangeliums, der Anfang der guten Botschaft, sind die Bilder einer besseren und menschlicheren Welt. 

„Ich kann ja doch nichts machen und ändern schon gar nicht.“ So lautet unsere Reaktion häufig. Aus Verunsicherung wird Hilflosigkeit. Für unsere Ohren sind die Worte von Jesaja und aus dem Markusevangelium dann einfach schöne Worte, die an den komplexen und übermächtigen Situationen nichts zu ändern vermögen.

Aber damit ist eben nicht alles von Jesaja und dem Evangelium erzählt: Entscheidend sind für einmal nicht die schönen Worte über die Zukunft. Jesaja und das Markusevangelium erzählen mehr. Jesaja fordert das Volk Israel auf, auf den Berg zu steigen und ohne Furcht seine Stimme zu erheben. Johannes der Täufer verkündet seine Botschaft und motiviert Menschen, das Gleiche zu tun.

Es gibt eine lebendige Welt ohne Krummes! Diese beginnt mit Menschen, die aus Hoffnung statt aus Angst, Hilflosigkeit und Verunsicherung handeln.

Hoffnung beginnt mit Taten! Sie beginnt, wo Menschen handeln, wenn etwas krumm ist. Wenn mein Nachbar den Autofahrer anhält, der eben einen Kindergärtner am Fussgängerstreifen übersah, und ihn auf das Versäumnis aufmerksam macht und es dem Autofahrer mehr als Leid tut.

Oder wenn die bischöfliche Kommission "Justitia et Pax" Anfang November die sicherheitspolitische Kommission des Ständerates daran erinnert, dass eine Ausfuhr von Kriegsmaterial in Bürgerkriegsländer keinen gangbaren Weg für mehr Frieden in der Welt darstellt.

Hoffnung beginnt dort, wo wir aufstehen und unsere Stimme erheben – eben dort, wo wir es können und sehen, dass etwas krumm ist!

Thomas Wallimann-Sasaki ist Theologe und Sozialethiker. Er leitet das Institut für Sozialethik «ethik22» in Zürich und ist Präsident a.i. der Nationalkommission Justitia et Pax der Schweizer Bischofskonferenz.