Alessandro Di Fante trifft Papst Leo XIV. und philosophiert mit ihm
Bei einer Generalaudienz im Vatikan sprach der Tele-M1-Journalist mit dem Kirchenoberhaupt über Schweizer Schokolade, die Angst vor der schnell vergehenden Zeit und die Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt. Die Antwort des Papstes beschäftigt ihn bis heute.
Als das Telefon klingelte, sass Alessandro Di Fante gerade in der Redaktion von «Tele M1» in Aarau. Noch ahnte er nicht, dass dieser Anruf die nächsten 24 Stunden seines Lebens komplett verändern würde.
Am anderen Ende der Leitung war Massimo Santucci aus Oensingen SO. Der Gründer des italienischen Vereins «Associazione europea vittime di violenza» setzt sich gegen Gewalt an Frauen ein und unterstützt Gewaltopfer. Gleichzeitig pflegt er enge Kontakte bis in den Vatikan.
«Komm nach Rom. Ich habe organisiert, dass du morgen den Papst triffst», sagte Santucci dem Journalisten. Die beiden kennen sich seit mehreren Jahren. Immer wieder habe Santucci ihm versprochen, ihn eines Tages zum Papst mitzunehmen.
«Zuerst konnte ich es, ehrlich gesagt, kaum glauben», erzählt Di Fante gegenüber kath.ch. Als ihm klar wurde, dass die Einladung ernst gemeint war, musste er innerhalb von zwei Stunden seinen gesamten Tagesplan umstellen, packen und zum Flughafen aufbrechen.
«Die Vorfreude war riesig. Gleichzeitig war ich sehr nervös. So etwas erlebt man schliesslich nur einmal im Leben.»
Schweizer Schokolade für den Papst
Am nächsten Vormittag war es so weit. Nach der Generalaudienz auf dem Petersplatz stand Di Fante plötzlich Papst Leo XIV. gegenüber. «Guten Tag, Heiliger Vater. Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen», sagte er auf Deutsch. Der Papst lächelte und antwortete ebenfalls auf Deutsch: «Ah, guten Tag.»
Anschliessend überreichte ihm der Journalist sein Geschenk und wechselte ins Englische. «Ich hoffe, Sie mögen Schweizer Schokolade.» Für Di Fante war Schokolade die «passendste Wahl» als Geschenk. Der Papst reagierte mit einem Schmunzeln: «Ja, ich liebe Schweizer Schokolade. Hoffentlich ist sie wegen der Sonne nicht geschmolzen.»
Persönliche Frage
Dann nutzte der Journalist die Gelegenheit für eine persönliche Frage. «Heiliger Vater, ich bin Mitte zwanzig und habe manchmal Angst, dass das Leben zu schnell an mir vorbeigeht. Was würden Sie jemandem wie mir mit auf den Weg geben?»
Die Antwort kam ohne langes Zögern. Leo XIV. empfahl ihm, jeden Tag mit Familie und Freunden bewusst zu geniessen, dankbar für die eigene Gesundheit zu sein und die Menschen wertzuschätzen, die einen begleiten.
«Denk nicht daran, wie schnell die Zeit vergeht», sagte der Papst. «Konzentriere dich auf das, was du hast.» Anschliessend fügte er hinzu, dass man sein Leben Gott widmen solle.
Zum Abschluss stellte Di Fante noch eine weitere Frage: Was würde Leo XIV. tun, wenn er für einen Tag noch einmal 25 Jahre alt wäre? Der Papst lachte laut auf. «Genau dasselbe wie damals.» Auch als junger Mann habe er sein Leben Gott gewidmet.
Keine Standardfrage
Dass Di Fante ausgerechnet diese Frage stellte, war kein Zufall. «Ich glaube, viele Menschen in meinem Alter kennen das Gefühl, dass die Zeit unglaublich schnell vergeht und man manchmal Angst hat, etwas zu verpassen», sagt er.
Er habe dem Papst bewusst keine Standardfrage stellen wollen. Vielmehr habe ihn interessiert, welchen Rat jemand gebe, der sein Leben dem Glauben gewidmet habe, täglich Menschen begegne und auf viele Jahrzehnte Lebenserfahrung zurückblicken könne.
Gelassenheit und Ruhe
Besonders beeindruckt hat den jungen Journalisten die Art des Papstes. «Seine natürliche, unkomplizierte und bodenständige Art hat mich überrascht», sagt Di Fante. «Es war wie ein Gespräch mit einem guten Freund. Natürlich ist man sich bewusst, dass man dem Oberhaupt der katholischen Kirche gegenübersteht. Trotzdem wirkte er sehr präsent, aufmerksam und interessiert.»
Vor allem seine Ruhe habe Eindruck hinterlassen. «Er strahlte eine Gelassenheit aus, die meine Nervosität sofort etwas reduziert hat.» Auch die Antwort auf seine Frage beschäftigt ihn noch immer. «Seine Botschaft war sehr einfach», sagt er. Vielleicht deswegen so stark.
Die Begegnung mit dem Papst sei «aus journalistischer Sicht zweifellos eines der aussergewöhnlichsten Erlebnisse» seiner bisherigen Laufbahn gewesen, sagt Di Fante.
«Gleichzeitig wäre es falsch zu behaupten, dass die Begegnung für mich nur eine journalistische Geschichte war. Die Reise hat auch auf persönlicher Ebene etwas ausgelöst.» Im vergangenen Jahr habe er seinen Glauben an Gott neu entdeckt. Als Reformierter spielten konfessionelle Grenzen für ihn dabei eine untergeordnete Rolle.
«Ich habe die Begegnung nicht nur als Treffen mit einem Kirchenoberhaupt erlebt, sondern auch als Begegnung mit einer Persönlichkeit, die für viele Menschen den christlichen Glauben repräsentiert.»
Wenn er dem Papst heute noch eine Frage stellen könnte, würde er wissen wollen, wie es ihm gelingt, trotz der enormen Verantwortung und der Erwartungen von Millionen Menschen innerlich ruhig und gelassen zu bleiben.
Dass er eines Tages mit dem Papst über das Leben philosophieren würde, hätte sich Alessandro Di Fante nie vorstellen können. Der Rosenkranz, den ihm Leo XIV. zum Abschied schenkte, und seine zweiteilige Reportage bei Tele M1 werden ihn noch lange an diesen aussergewöhnlichen Moment erinnern.