Aktuelle Nummer 20 | 2022
25. September 2022 bis 08. Oktober 2022

Als eine betagte Oberin plötzlich handlungsunfähig wurde

«Unsere Schwesterngemeinschaft im Mutterhaus Sonnhalde Baldegg zählt rund 70 Schwestern. Bis im Mai 2021 gab es fünf Gemeinschaften mit je einer Oberin. Das Älterwerden der Schwestern und die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme riefen nach einer Umstrukturierung. Ich war von Januar 2019 bis Mai 2021 Oberin einer Gemeinschaft.

Von Anfang an wünschte ich mir einen regelmässigen und regeren Austausch mit den anderen Oberinnen. Das Schicksal schlug jedoch hart ein. Eine betagte Oberin wurde vom einen Tag auf den anderen handlungsunfähig. Auch die anderen hatten teilweise mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Generalrat entwickelt neues Modell

Im Generalrat dachten wir uns ein neues Modell aus. Die Schwestern wurden in vier Gruppen aufgeteilt, was nur geringe Verschiebungen zur Folge hatte. Dieser Vorschlag ging bei allen Schwestern des Mutterhauses in die Vernehmlassung. Anschliessend gab es viele Hinweise, Fragen und kritische Rückmeldungen zu bearbeiten. Schliesslich konnten wir das Modell mit einigen Anpassungen umsetzen.

Für jede Gruppe ernannte Frau Mutter eine Gruppenvertreterin. Nach Möglichkeit berücksichtigte sie dabei die Vorschläge der Gruppe. Die vier Gruppenvertreterinnen und ich bilden den Konventsrat, den ich leite. In regelmässigen Sitzungen tauschen wir uns aus. Wir regeln Organisatorisches und beraten, wie wir bevorstehende Feste feiern wollen, etwa Weihnachten, Fasnacht, Ostern oder den 1. August. Ebenso feiern wir die persönlichen Feste der Schwestern – runde Geburtstage, Namenstage und Ordensjubiläen. Es ist uns wichtig, die versteckten Talente aus dem Busch zu locken und zum Mitmachen zu motivieren.

Den Konventsrat haben wir seit Mai 2021. Er hat sich bewährt. Die vier Gruppenvertreterinnen und ich sind ein gutes Team. Wir können ruhig und offen miteinander reden. An unseren Sitzungen sind oft auch Frau Mutter Zita Estermann und ihre Vertreterin Schwester Nadja Bühlmann dabei. Diese Teilnahme ist uns wichtig, so landen neue Ideen und Gedanken nicht im luftleeren Raum.

Frau Mutter ist seit der Neuorganisation der Gemeinschaft Sonnhalde die Oberin des ganzen Hauses. Ich leite den Konventsrat und habe gewisse Einkaufskompetenzen. Wenn Frau Mutter und ihre Stellvertreterin ausser Haus sind, bin ich ihre Vertreterin.

«Wir sind auf Laiinnen und Laien angewiesen.»

Im Pflegeheim arbeiten inzwischen hauptsächlich Laiinnen und Laien. Wir sind auf die Mitarbeit von Laiinnen und Laien angewiesen – auch im Hausdienst und in der Küche.

Im Moment sind wir in einem Strategieprozess, der von Frau Gabriela Christen geleitet wird. Christen ist ehemalige Direktorin der Hochschule Luzern. Die externe Beraterin haben wir in anderem Zusammenhang kennen gelernt. Die grosse Frage «Wie sieht die Zukunft aus?», beschäftigt uns intensiv. Wohin der Weg uns wirklich führt, wissen wir nicht. In kleinen, mutigen Schritten und im Vertrauen auf Gott geht es weiter.» (kath.ch)