Begegnung und Austausch: Kirchen laden zum 500-Jahr-Jubiläum der Badener Disputation
Zur Zeit der Reformation bildeten Disputationen, akademische Streitgespräche zwischen zwei Kontrahenten, das «bevorzugte Mittel», um die neue Lehre zu verbreiten. Das schreibt Irena Backus im «Historischen Lexikon der Schweiz». Sie «bezweckten, die Gegner von der Notwendigkeit der Kirchenreform zu überzeugen».
Eine solche Disputation wurde 1526 in Baden auf Antrag der katholischen Orte an der eidgenössischen Tagsatzung abgehalten – laut Backus, um die Reformation in Zürich rückgängig zu machen. Die Disputation hatte unter anderem zur Folge, dass Basel und Bern der Reformation fortan günstiger gestimmt waren.
«Modell für Umgang mit Differenzen»
500 Jahre später organisieren die Reformierte Kirchgemeinde Baden plus und die Katholische Kirchgemeinde Baden-Ennetbaden gemeinsam die Jubiläumsfeierlichkeiten. Die Badener Disputation sei ein «historischer Meilenstein» für den Dialog zwischen den Konfessionen in der Schweiz, heisst es auf der Webseite des Projekts, das unter dem Titel «Disput(n)ation 2026» läuft. Sie stehe «Modell für den Umgang mit Differenzen» und soll als «Wendepunkt» in der Schweizer Geschichte gefeiert werden.
Rita Famos, Martin Werlen und Moritz Leuenberger
Das Jubiläum soll Plattformen für Begegnungen und Austausch zu Themen wie gegenseitiger Respekt, Demokratie und Nachhaltigkeit schaffen. Zahlreiche kirchliche, kulturelle, wissenschaftliche und partizipative Veranstaltungen sind bis Ende Mai 2026 geplant. Einige wenige haben bereits stattgefunden, unter anderem sogenannte «Disputalk», also Gespräche, zu denen jeweils eine prominente Persönlichkeit eingeladen wird.
Am heutigen Donnerstagabend findet gemäss Programm der nächste «Disputalk» statt, und zwar mit Christoph Weber-Berg, Kirchenratspräsident der Reformierten Landeskirche Aargau. Sein katholisches Pendant, der Kirchenratspräsident der römisch-katholischen Landeskirche Aargau, Pascal Gregor, tritt fünf Monate später auf, am 15. Mai 2026.
Weitere Gesprächspartner sind unter anderem am 16. Januar Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), und am 20. März Martin Werlen, der ehemalige Abt des Klosters Einsiedeln und zurzeit Propst von St. Gerold in Vorarlberg. Auch ehemalige Politiker beteiligen sich. Bereits stattgefunden hat der «Disputalk» mit der früheren Bundesrätin Doris Leuthard. Am 1. Mai kommt Altbundesrat Moritz Leuenberger.
Pfingsten mit der Taizé-Gemeinschaft
Das Jubiläum soll auch junge Menschen ansprechen. Zum Beispiel am «Tag wie in Taizé», zu dem eigens die ökumenische Gemeinschaft von Taizé aus Frankreich anreist. Der Anlass findet am Pfingstwochenende vom 24. und 25. Mai statt.
Für geschichtlich Interessierte gibt es eine Ausstellung im Kirchenschatzmuseum der katholischen Stadtkirche Baden. Dort werden vom 2. Mai bis am 28. Juni Quellen zur Disputation gezeigt, etwa die Originale der Protokolle und weitere Quellen zu den Ereignissen rund um die Badener Disputation. Zu einer wissenschaftlichen Tagung lädt zudem das Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte am 26./27. Mai.
Festakt mit Parmelin, Leuthard und dem Nuntius
Am 31. Mai findet in der katholischen Stadtkirche Baden ein ökumenischer Gottesdienst und anschliessend der offizielle Festakt statt. Dem Gottesdienst stehen die reformierte Pfarrerin und EKS-Präsidentin Rita Famos und der Basler Bischof Felix Gmür vor. Bundesrat Guy Parmelin, Altbundesrätin Doris Leuthard und Erzbischof Martin Krebs, der Apostolische Nuntius für die Schweiz und Liechtenstein halten Festansprachen. (kath.ch)