Bischof Ivo Fürer ist verstorben

Ivo Fürer, ehemaliger Bischof von St. Gallen, ist am Dienstagnachmittag im Alter von 92 Jahren gestorben. Der Ostschweizer leitete von 1995 bis 2006 das Bistum St. Gallen. Mit ihm verliert die katholische Kirche der Schweiz eine Persönlichkeit, die stark vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) geprägt war.

Ivo Fürer, 1930 im st. gallischen Gossau geboren, erlebte die grosse Kirchenversammlung persönlich. Als junger Priester, aber bereits in Kirchenrecht promoviert, begleitete er den damaligen St. Galler Bischof Josephus Hasler zu den Sitzungen des von Johannes XXIII. einberufenen Zweiten Vatikanischen Konzils.

Umsetzung des Konzils

Ab 1969 übernahm er als Bischofsvikar die Aufgabe, das Bistum St. Gallen für die Konzilsbeschlüsse zu öffnen. Gleichzeitig spannte er mit den Bischofsvikaren der anderen Diözesen zusammen und entwarf den Plan der Synode 72. Diese sollte den Konzilsaufbruch in die Schweizer Pfarreien hineintragen. Ivo Fürers Rolle bei der Umsetzung der Konzilsanliegen auf diözesaner, schweizerischer und europäischer Ebene war herausragend. Viele Jahre später wurde er dafür mit der Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg (Schweiz) ausgezeichnet.

1995 wurde Ivo Fürer zum zehnten Bischof von St. Gallen gewählt. Die Kollegialität der Bischöfe war ihm, der zuvor während fast drei Jahrzehnten als Generalsekretär des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) amtete, ein wichtiges Anliegen. «Zentralismus behindert das Wirken des Heiligen Geistes! Bischöfe müssten ihre Verantwortung selbständiger wahrnehmen können», sagte er 2014, bereits seit längerem emeritiert, gegenüber der Presseagentur Kipa. Als Generalsekretär des CCEE hatte Ivo Fürer Kontakt mit Bischöfen in Ost und West, war immer wieder in die Länder jenseits des Eisernen Vorhangs gereist.

Ein progressiver Bischof

Aus seiner Zeit in diesem Rat kannte Fürer den verstorbenen reformorientierten italienischen Kardinal Carlo Maria Martini (1927-2012). Auch Ivo Fürer darf man als progressiven Kirchenmann bezeichnen. Es sei «kein Zufall», dass Martini dem früheren Bischof von St. Gallen eine vierseitige Würdigung in einem Buch gewidmet habe, hiess es 2015 in einer Mitteilung des Bistums St. Gallen. Beide hätten sich für die Weihe verheirateter Männer eingesetzt, und in der Diözese sei die Rolle der Laien im kirchlichen Dienst gefördert worden. Ivo Fürer äusserte sich dann und wann auch zum Zeitgeschehen. Nach den islamistischen Attentaten vom 11. September 2001 warnte er vor Pauschalurteilen gegenüber Muslimen.

Auch nach seiner Emeritierung scheute sich Ivo Fürer nicht, dezidiert Position zu beziehen. 2012 zeigte er sich erfreut über die aufsehenerregende Schrift des damaligen Einsiedler Abtes Martin Werlen mit dem Titel «Miteinander die Glut unter der Asche entdecken». Er stellte fest: «Wir stehen vor einem ähnlichen Reformstau wie vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil.» Ob und wie dieser gelöst wird, kann Ivo Fürer nun nicht mehr erleben. Am Dienstagnachmittag ist er nach längerer Parkinsonkrankheit verstorben, wie das Bistum St. Gallen am Mittwoch mitteilte.

Der Trauer- und Auferstehungsdienst für Ivo Fürer findet am Montag, 18. Juli, um 10 Uhr in der Kathedrale St. Gallen statt. Von 9.30 bis 9.45 Uhr läutet in allen Kirchen des Bistums die tiefste Glocke – verbunden mit der Einladung zum Gebet für den Verstorbenen. Für alle, die persönlich Abschied nehmen möchten, wird Ivo Fürer am Freitag, 15. Juli, von 9 bis 18 Uhr, im Chor der Kathedrale aufgebahrt. Die Otmarskrypta, wo Bischof Ivo im Anschluss an den Trauer- und Auferstehungsgottesdienst am Montag beigesetzt wird, ist am folgenden Samstag, 23. Juli, den ganzen Tag für das persönliche Gebet geöffnet, ebenso vor und nach den Sonntagsgottesdiensten am 24. Juli.

 

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