Bistum Lugano: Künftiger Bischof soll nicht mehr Tessiner sein müssen

Seit dem Rücktritt von Valerio Lazzeri im vergangenen Oktober ist der Bischofsstuhl der Diözese Lugano vakant. Das Bistum wird seither vom Westschweizer Weihbischof Alain de Raemy geleitet, der von Papst Franziskus als Apostolischer Administrator eingesetzt worden ist.

Gemäss einem Abkommen, das der Schweizerische Bundesrat und der Heilige Stuhl 1968 abgeschlossen haben, muss der Bischof von Lugano Tessiner sein – spricht er muss das Tessiner Bürgerrecht besitzen. Diese Regel wird nun in Frage gestellt.

Abkommen von 1968 soll überarbeitet werden

So fordern Luigi Maffezzoli, Maddalena Ermotti-Lepori und Giancarlo Seitz in einer Petition, dass das Abkommen von 1968 überarbeitet und «Ernennungsfreiheit» gewährt wird. Dies berichtete das Tessiner Newsportal catt.ch am Mittwoch unter Berufung auf die Tageszeitung «Corriere del Ticino». Luigi Maffezzoli ist ehemaliger Präsident der «Azione Cattolica Ticinese». Maddalena Ermotti-Lepori und Giancarlo Seitz sind Grossräte; sie vertritt die Mitte im Tessiner Kantonsparlament, er die Lega.

Die Petition, die auf der Plattform «change.org» lanciert wurde, richtet sich an Bundesrat Ignazio Cassis und den apostolischen Nuntius in Bern, Erzbischof Martin Krebs.

Überholte Regel

Die Petitionäre halten die geltende Regel für überholt. Die Bestimmungen des Abkommens von 1968 seien ein Kind ihrer Zeit, sagte Luigi Maffezzoli gegenüber dem «Corriere del Ticino»: «Um die Autonomie der Diözese Lugano durchzusetzen, wurde damals vereinbart, dass der Bischof notwendigerweise Tessiner sein müsse. Das macht heute keinen Sinn mehr», findet er.

Der Klerus sei nicht mehr derjenige von damals, die kirchliche Realität des Kantons sei «perfekt in diejenige der Schweiz integriert». Und er folgert: «Wir sind überzeugt, dass der Papst die Möglichkeit haben sollte, zu wählen, wen er will.»

Priestermangel spricht für Änderung

Gegenüber catt.ch sagte Maffezzoli, mit dem Abkommen würden Priester vom Bischofsamt ausgeschlossen, die im Tessin geboren seien, aber nicht das Tessiner Bürgerrecht besässen. Ebenso Priester, die nicht im Tessin geboren, jedoch seit langem im Bistum inkardiniert seien und aus unterschiedlichen Gründen das Tessiner Bürgerrecht nicht besässen.

«Wenn man dazu noch den Rückgang der lokalen Berufungen im Vergleich zu 1968 in einem kleinen Gebiet wie dem Tessin betrachtet, wird deutlich, dass wir es mit einem anachronistischen Gesetz zu tun haben», so Maffezzoli zu catt.ch

Don Luigi Pessina begrüsst Klärung

Don Luigi Pessina, Pfarrer der Kirche «Santa Maria degli Angeli», begrüsst die Petition. Seit langem werde über die Einschränkung der Ernennung des Bischofs von Lugano und die Auslegung dieser Regel diskutiert, sagte er gegenüber dem «Corriere del Ticino». «Eine Klärung und Neubewertung dieser Frage ist zu begrüssen.» Es liege jedoch weiterhin in den Händen des Papstes, den künftigen Bischof auszuwählen. «In der Zwischenzeit freuen wir uns über die Anwesenheit von Monsignore de Raemy und über die Zusammenarbeit mit ihm», so der Pfarrer.

De Raemy nimmt nicht Stellung

Der apostolische Administrator Alain de Raemy seinerseits will zur Petition nicht Stellung nehmen, wie er am Mittwoch mitteilte.

Bislang wurde die Online-Petition von 83 Personen unterzeichnet (Stand Donnerstag,16.00 Uhr). Wie Maffezzoli gegenüber catt.ch sagte, werden auch in einigen Ortschaften des Tessins Unterschriften gesammelt. Die Sammelfrist endet demnach Ende Februar. (kath.ch)