Aktuelle Nummer 13 | 14 | 2020
21. Juni 2020 bis 18. Juli 2020

Caritas Luzern muss Angebote und Stellen streichen

Die Pandemie hat die finanzielle Lage der NGO verschärft. Nun kommt es zu Kündigungen und einer Reduktion des Angebotes.

Die Caritas Luzern setzt bei den Ausgaben den Rotstift an. Damit verkleinert sich das Angebot für die sozial Benachteiligten: Das Werkatelier, ein Projekt zugunsten von Stellensuchenden, wird per Ende Jahr aufgehoben. Caritas Luzern setzt auch das Projekt «Alter–Migration–Vulnerabilität», eine Freiwilligengruppe im Strafvollzug sowie einen Lese- und Schreibdienst nicht fort.

Inhaltliche Fokussierung wichtig

«Die Streichungen von teils langjährigen Projekten und Angeboten tun uns weh», sagt Doris Nienhaus, Co-Geschäftsleiterin ad interim und Leiterin Soziale Integration. Caritas Luzern habe bei den Entscheiden darauf geachtet, dass für die Betroffenen alternative Angebote bestehen. Eine inhaltliche Fokussierung hält Nienhaus gleichwohl für wichtig. «Als NGO bewegen wir uns in einem sehr volatilen Umfeld. Wir müssen beweglich bleiben.» Als weitere Massnahme schliesst Caritas Luzern den Caritas-Markt Sursee per Ende Juli 2020. Wie sich gezeigt habe, befinde sich der kleinste der 21 Märkte in einem Gebiet, welches in Bezug auf die Bevölkerungsstruktur eher untypisch sei.

Weniger Umsatz in der Corona-Krise

In eine finanziell schwierige Lage war die Caritas Luzern ab 2016 gekommen, nachdem der Kanton der Organisation zunächst den Auftrag zur Betreuung von Asylsuchenden, dann auch den Flüchtlingsauftrag entzogen hatte. Im vergangenen Herbst habe man mit einer Analyse begonnen, wie man die Ausgaben begrenzen könne, heisst es in einer Mitteilung von Caritas Luzern. Jüngst habe die Corona-Krise die finanzielle Lage zusätzlich verschärft: Die Caritas Luzern erlitt Umsatzeinbussen unter anderem in den Läden, den Bildungsangeboten und im Dolmetschdienst.

Wegen der Schutzmassnahmen musste die Organisation nach eigenen Angaben auf die Arbeitskraft von Freiwilligen und Teilnehmenden in den Betrieben und Caritas Märkten verzichten. Stattdessen kamen zusätzliche Mitarbeitende zum Einsatz. Das Massnahmenpaket umfasst auch einen personellen Abbau. Fünf Kündigungen und acht Änderungskündigungen bei aktuell rund 170 Beschäftigten. Caritas Luzern hat sich laut Nienhaus freiwillig für einen Sozialplan entschieden. «Wir bedauern jede einzelne Kündigung. Diese waren aber leider unumgänglich. Wir sind froh, dass wir nicht noch mehr Kündigungen aussprechen mussten», so Nienhaus.

Geschäftsleitung wird verkleinert

Zu den Sparmassnahmen gehört weiter die Zusammenlegung von Büros. Caritas Luzern gibt den Standort an der Brünigstrasse auf und verlegt dessen Büros ins Caritas-Haus Grossmatte. Weiter wird die Geschäftsleitung von aktuell vier auf drei Personen verkleinert. Laut Caritas Luzern sind viele bisherige Angebote zur beruflichen und sozialen Integration von den Sparmassnahmen nicht betroffen. So bietet die Organisation unter anderem weiterhin Attestausbildungsplätze für Jugendliche mit schulischen Defiziten. Stellensuchende und Ausgesteuerte erhalten in den eigenen Betrieben – darunter Gastronomie, Wäscherei, Schreinerei, Velowerkstätten – Einsatzplätze. Mit der Fachstelle «Begleitung in der letzten Lebensphase» unterstützt Caritas Luzern zudem Freiwilligengruppen und die Diakonie beim Thema Sterbebegleitung. (uab)