Aktuelle Nummer 08 | 2021
11. April 2021 bis 24. April 2021

Der Tag der Frau braucht mehr Sprengkraft

Zwei Frauentage kommen sich in die Quere. Der Weltgebetstag der Frauen am ersten Freitag im März und der Internationale Tag der Frau am 8. März. Katholikinnen müssen revolutionärer werden, wenn sie die Kirche verändern wollen.

Der 8. März hat sozialistische Wurzeln. Das prägt ihn. Auch heute melden sich Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen zu Wort – um die Ungerechtigkeit, die Frauen widerfährt, anzuprangern. Weniger Lohn, mehr unbezahlte Care-Arbeit, Gewalt gegen Frauen: Das steht oft am Pranger. Und Demonstrationsumzüge gehören zum Bild – ausser in Zeiten der Pandemie.

Anders der Weltgebetstag der Frauen, eine basiskirchliche Aktion. Der findet im Kleinen, Lokalen statt. In den Kirchgemeinden treffen sich christliche Frauen und feiern und beten gemeinsam – für Frauen in einer ausgewählten Weltregion. Diesmal für die kaum bekannte Südsee-Insel Vanuatu.

Irritierender Aufruf

Dieses Jahr aber irritierte ein Aufruf von katholischer Seite. Die Schweizer Sektion des «Catholic Women’s Council» rief die Katholikinnen dazu auf, bis zum 8. März in den «Schuhen einer anderen Frau» zu pilgern – und weisse Tücher an einer Kirche anbringen. Ziel war eine vermehrte Solidarität und Empathie unter den Frauen.

Der 8. März als Tag des Gebets? Das klingt, als hätten die Katholikinnen die beiden Frauen-Gedenktage miteinander vermischt. Und als wollten sie den kämpferischen Geist des sozialistisch verwurzelten Tags der Frau wegradieren.

Doch beten allein reicht leider nicht. Beten mag helfen, wenn es darum geht, sich selbst zu bestärken und mit anderen mitzufühlen. Ungerechtigkeit lässt sich damit aber nicht aus der Welt schaffen.

Gut, dass andere Kirchenfrauen dagegenhalten. Denn inzwischen sind andere 8.-März-Aktionen bekannt geworden: Der Aufruf «Helvetia predigt» und ein Zoom-Meeting zur Lage der Ordensfrauen. Sie tragen mehr Sprengkraft in sich – und passen besser zur ursprünglichen Intention. Das ist notwendig, gerade heute, und gerade in der Kirche – besonders in der römisch-katholischen.

 

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