Aktuelle Nummer 19 | 2020
13. September 2020 bis 26. September 2020

Die CVP und die C-Werte

Die Präsidentin der JCVP, die Ostschweizerin Sarah Bünter, geht davon aus, dass der Name der Partei den heutigen Gegebenheiten angepasst werden soll. Das soll behutsam geschehen, sagt sie gegenüber kath.ch.

Georges Scherrer: Der Präsident der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP), Gerhard Pfister, hat die Diskussion über das C im Parteinamen neu lanciert und verweist auf den Druck der Jugend. Was assoziieren Sie mit dem C?

Sarah Bünter: Für mich bedeutet das C Solidarität, Eigenverantwortung und Respekt. Im politischen Bezug steht es für die Grundwerte, welche ich in meinen Ideen und Entscheiden stets berücksichtige. Ganz persönlich bedeutet für mich das C aber auch, dass ich meine moralischen Grundprinzipien, die ich persönlich verfolge, nie aus den Augen verliere. In diesen Prinzipien sind diese Werte vertreten und der Mensch und seine Lebensgrundlagen stehen dabei im Mittelpunkt.

Das Thema ist nicht neu. Schon mehrmals diskutierte die Partei, ob sie das C streichen soll. Wie gross sehen Sie die Chance, dass es nun – vielleicht in diesem Jahr noch – zu einer Namensänderung kommen könnte?

Bünter: Wir sind noch vollkommen am Anfang unseres Prozesses und werden dieses Thema mit sehr viel Sorgfalt und unter Einbezug aller Sektionen und auch Mitglieder besprechen. Das braucht seine Zeit und die nehmen wir uns auch.

Könnte es sein, dass die JCVP vorprescht und das C aus ihrer Bezeichnung streicht?

Bünter: Wir nehmen uns, für den heute noch ergebnisoffenen Entscheid, die notwendige Zeit, die wir dafür brauchen.

Wird die Frage des C im JCVP-Vorstand kontrovers diskutiert?

Bünter: Wir diskutieren die Frage offen und lassen alle Meinungen zu. Es geht uns vor allem um eine Schärfung unseres Profils und eine Standortbestimmung. Der Name ist ein Teil davon. Wichtig ist aber auch, dass die Jungen wissen , «ah die JCVP steht für das ein». Heute steht die Religion anstelle der Inhalte häufig im Vordergrund und das möchten wir ändern.

Welche Werte soll die CVP aus Ihrer Sicht vertreten, wenn nicht die christlichen Werte?

Bünter: Wir bleiben unseren Werten auch in Zukunft treu. Wichtig ist es, diese Werte zu leben. Ich werde in meinem Amt und auch danach diese Werte stets verteidigen.

Will sich die CVP, indem sie das C aus dem Namen streicht, vermehrt für Angehörige anderer Religionen oder die Religionsfernen und Religionsverdrossenen öffnen?

Bünter: Wir schliessen bereits heute keine Religionen aus. Für mich persönlich macht das gerade auch mein Verständnis für das C und meinen Glauben aus. Ich bin überzeugt, dass man mit guten Wurzeln offen für Neues sein kann, ohne seinen Ursprung zu verlieren. Umso schöner ist es aus meiner Sicht, wenn sich junge Menschen mit einer anderen Religionsherkunft unserer Partei anschliessen und unsere Werte, welche die Schweiz zu dem gemacht haben, was sie heute ist, auch mittragen und für die Zukunft stärken.

Papst Franziskus bringt die Themen Gerechtigkeit und Ökologie immer wieder aus katholischer Warte in die Gesellschaft ein. Soll die CVP die Argumentation des Papstes und seine Themensetzung der SP und den Grünen überlassen?

Bünter: Im Gegenteil, die CVP und JCVP sind dafür bekannt, dass wir uns schon über Jahre für einen langfristigen Umweltschutz und auch für die Solidarität einsetzen. Wir stellen dabei den Menschen ins Zentrum, denn es bringt nichts, Gesetzestexte zu erlassen, welche von der Bevölkerung nicht getragen werden. Zudem muss man dem Menschen auch ein gewisses Mass an Vernunft und Eigenverantwortung zutragen. Aus meiner Sicht zeigen uns das die christlichen Werte und deren Ursprung.

CVP-Präsident Gerhard Pfister hat am vergangenen Wochenende die Diskussion über die Entfernung des C aus dem Namen neu lanciert. Hat er sich mit Ihnen als JCVP-Präsidentin abgesprochen?

Bünter: Ich habe mit Gerhard Pfister ein sehr gutes Einvernehmen und wir sind im Austausch. Wir sind aber eigenständig, halten uns jedoch gegenseitig auf dem Laufenden. Das macht in einer solchen Angelegenheit Sinn.

Ist die Diskussion über das C innerhalb der CVP Ausdruck eines Generationenkonflikts?

Bünter: Ich finde, es ist wichtig, dass man sich immer wieder kritisch reflektiert. Nur damit kann man sich weiterentwickeln und sich auch immer des Ursprungs in einem neuen Umfeld bewusst werden. Die genannten Werte tragen auch wir Junge noch.

Ich bin der Überzeugung, dass mit der zunehmenden Digitalisierung und der damit verbundenen zunehmenden Individualisierung unsere Werte in Zukunft wieder eine grössere Rolle spielen werden. Damit diese Werte bestehen können, muss man sich aber veränderten Gegebenheiten auch anpassen können. Unsere Werte müssen vor allem politisch gelebt und nicht nur geschrieben werden. Daran halte ich fest.

Wie repräsentativ ist die JCVP für die CVP?

Bünter: ‹Repräsentativ› hat viele Seiten. Wir stellen in Bezug auf die Mitglieder nicht einen grossen Anteil der CVP. Bei den nationalen Wahlen vom letzten Jahr haben wir in mehreren Kantonen mit über 10 Prozent bis zu sogar 22 Prozent im Jura dem Resultat der CVP an Stimmen beigetragen. Zudem haben wir 246 Kandidierende von den über 700 Kandidierenden der CVP gestellt und waren in acht Sektionen die stärkste Jungpartei. Das zeigt, dass wir eine aktive und erfolgreiche bürgerliche Jungpartei sind.