Heilige Pforte am Petersdom: ein Geschenk der Schweiz zum Heiligen Jahr 1950
(catt.ch) Bei Heiligen Jahr wie jenem von 2025, kommt der Heiligen Pforte eine besondere Bedeutung zu. Beim Überschreiten dieser Schwelle wird der Pilger eingeladen, sich an die Worte des Johannesevangeliums zu erinnern: «Ich bin die Pforte: Wer durch mich eintritt, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.» Diese Geste drückt die Entscheidung aus, sich von Jesus, dem Guten Hirten, führen zu lassen.
Die Heilige Pforte der Petersbasilika wurde zum ersten Mal im Jubiläumsjahr 1500 geöffnet. Im Jahr 1748 wurde dann auf Wunsch von Papst Benedikt XIV. eine Heilige Pforte aus Holz eingeweiht.
Eine neue Heilige Pforte nach dem Krieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg wünschte sich Papst Pius XII. eine neue Heilige Pforte für die Vatikanische Basilika. Nicht alle wissen jedoch, dass die Heilige Pforte, die am 24. Dezember 1949 im Petersdom im Vatikan eröffnet wurde, ein Geschenk der Schweizer Katholiken ist. Im Heiligen Jahr 1950 überschritten 33’699 Schweizer Pilger diese Schwelle.
Diese Heilige Pforte befindet sich noch heute im Petersdom. Sie besteht aus zwei Bronzeflügeln, die 1949 vom toskanischen Bildhauer Vico Consorti geschaffen wurden. Das Thema des Werks wurde von Papst Pius XII. selbst vorgegeben: Das Jubiläum 1950 – Heiliges Jahr des Dogmas der Himmelfahrt und der Heiligsprechungen von Maria Goretti und Domenico Savio – sollte zum «Jahr der grossen Rückkehr und der grossen Vergebung» werden.
Vielsagende lateinische Inschrift
Der Künstler schuf eine Tür aus sechzehn verzierten Tafeln. Auf fünfzehn davon sind Szenen aus der Bibel dargestellt, die mit den Grundthemen des Jubiläums in Verbindung stehen: Schuld, Vergebung und Erlösung. Die sechzehnte Tafel zeigt Papst Pius XII. in Begleitung eines Soldaten der Päpstlichen Schweizergarde.
Auf der Rückseite der Tür befindet sich auch eine lateinische Inschrift mit folgendem Wortlaut:
«Der Bischof von Basel und Lugano, Franz von Streng, dessen Heimat glücklicherweise von den Flammen der Kriege verschont geblieben war, war Gott, der sie bewahrt hatte, ergeben und Papst Pius XII., dem Friedensstifter zwischen den Völkern, dankbar. Er schenkte zusammen mit seinen Gläubigen im Jubiläumsjahr 1950 die beiden Flügel dieser Heiligen Pforte.»
Wie es zum Geschenk kam
Aber wie kam es dazu, dass die Heilige Pforte des Jubiläums von 1950 von der Schweiz gestiftet wurde? Durch einen glücklichen Zufall erfuhr der Schweizer Bischof Franz von Streng, dass der Heilige Stuhl auf der Suche nach einem Spender war. In einem Archivdokument schreibt er: «Glücklicherweise waren wir noch im Besitz der Spendengelder, die wir für das Goldene Jubiläum des Heiligen Vaters gesammelt hatten, um ihm eine Freude zu machen. So wurden wir durch einen glücklichen Zufall zu den Spendern der Heiligen Pforte.»
Papst Pius XII. – mit bürgerlichem Namen Eugenio Maria Giuseppe Giovanni Pacelli – war nämlich 1899 zum Priester geweiht worden. Sein Priesterjubiläum fiel also genau auf das Jahr 1949.
Eine Kuriosität ist die Tatsache, dass Franz von Streng nicht nur Bischof der deutschsprachigen Gläubigen von Basel war, sondern auch derjenigen aus dem Tessin. Im Jahr 1888 hatte sich die Diözese Basel nämlich auf den Kanton Tessin ausgedehnt, der zuvor den Bischöfen von Mailand und Como unterstand. Das Tessin wurde damals zu einer Apostolischen Administration unter der Leitung des Bischofs von Basel, eine Situation, die bis 1971 Bestand hatte, als die Diözese Lugano gegründet wurde.
Die Geldspende für die Heilige Pforte wurde daher sowohl in der Diözese Basel als auch unter den Gläubigen des Tessins gesammelt. Papst Pius XII. weihte und segnete die Bronzetür am 24. Dezember 1949, dem Heiligabend.
Der «Osservatore Romano» schrieb: «Das Heilige Jahr 1950 bietet den Pilgern somit eine unerwartete und willkommene Neuheit: die Flügel einer neuen, wunderschönen Heiligen Pforte. Ein Geschenk der Schweizer Gläubigen an den Papst des Friedens, verbunden mit dem Dank an Gott dafür, dass er die Schweiz vor den Schrecken des letzten Krieges bewahrt hat.» (Übersetzung und Adaption: Regula Pfeifer)
*Der Tessiner Historiker Lorenzo Planzi ist Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg (Schweiz). Er forscht zur Kirchen- und Theologiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, zu Religion und Diplomatie und zu Linken Christinnen und Christen in der Schweiz.