Kirchenhistoriker: «Das dritte Vatikanum sehe ich nicht am Horizont»

(KAP) Prügl begründet seine Einschätzung damit, dass die Erwartungen, die mit einem solchen erneuten Konzil verbunden sind, sehr stark von einer modernen europäischen Kirche getragen seien und in vielen anderen Teilen der Welt als nicht so dringend gesehen würden.

«Umgekehrt nehmen wir Europäer in unserer Kirchenkrise nicht wahr, was die Realität der Kirche etwa in afrikanischen Ländern ist oder welche die Probleme der Kirche in südamerikanischen Ländern sind», so der Kirchenhistoriker.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) habe «theologisch so viel mitgegeben, dass die Kirche in der Aneignung desselben noch sehr gut beschäftigt ist und davon noch sehr stark zehren könnte». Es brauche also nach wie vor «eine intensive Beschäftigung mit den Texten des Vatikanum II», zeigte sich der Kirchenhistoriker überzeugt.

Partikularkonzilien neu entdecken

Und für darüber hinaus Interessierte gebe es ja auch noch unzählige weitere Konzilien zu entdecken: Zusätzlich zu den grossen 21 ökumenischen Konzilien habe es nämlich «eine Fülle von bedeutenden lokalkirchlichen Synoden gegeben – vom Beginn des Christentums bis in die neueste Zeit», so Prügl.

«Man darf – ohne zu übertreiben – sagen, dass die wichtigen Ereignisse der Kirchengeschichte auf diesen kleineren Partikularkonzilien stattgefunden haben. Die grossen Konzilien sind wie Eisberge, deren Spitzen herausragen. Aber die grossen Zusammenhänge, derer sich die Kirchen in den Ortskirchen immer besinnen, die fanden auf den Partikularsynoden statt.»

Konzil von Nizäa

Bevor beispielsweise 325 das Konzil von Nizäa, das heute als erstes ökumenisches Konzil angesehen wird, zusammentrat, habe es eine Fülle von Synoden im christlichen Osten gegeben, «die wichtige Angelegenheiten geregelt haben, weil es die Institution des Reichskonzils noch nicht gab».

Prügl: «Da wurden wichtige dogmatische Themen behandelt, etwa in Antiochien, wo es Beschlüsse zu trinitarischen Fragen gab. Im zweiten Jahrhundert setzten sich Synoden mit dem Osterdatum auseinander, weil man eine abweichende Praxis in Ost und West festgestellt hatte.»

Darauf angesprochen, inwiefern Synoden zum Wesen der Kirche gehören, meinte der Historiker: «Ich gehe nicht so weit, zu sagen, dass der Herr Jesus Christus, der die Kirche gestiftet hat, gesagt hat: Ihr müsst regelmässig Synoden feiern. Aber schon die Apostel in der Apostelgeschichte haben sich regelmässig beraten und Entscheidungen getroffen. Diese wurden niemals sozusagen im Hinterzimmer ausverhandelt, sondern das geschah kollegial und mit Versammlungen, die auch später als solche dargestellt worden sind.» (kath.ch)