Aktuelle Nummer 19 | 2020
13. September 2020 bis 26. September 2020

Libanon: Hilfswerke warnen vor katastrophalen Folgen

Internationale Unterstützung für Libanon sei dringend nötig, betonten Hilfsorganisationen. Die Explosion habe Tausende Kinder schwer traumatisiert.

Nach der Explosion im Hafen von Beirut warnen Hilfsorganisationen weiter vor katastrophalen Folgen für das ohnehin bereits wirtschaftlich und sozial schwache Land. Die verheerende Explosion habe die Notwendigkeit der internationalen Unterstützung für den Libanon eindrücklich in den Fokus gerückt, erklärten die Vereinten Nationen. Bereits vor vier Wochen habe die UN-Menschenrechtshochkommissarin Michelle Bachelet vor einer Eskalation der Krise gewarnt. Umso mehr könne nun das ganze Land in eine Notlage geraten.

Gerechtigkeit für die Opfer

Die Katastrophe müsse zu einem Wendepunkt für die libanesische Politik werden, forderten die UN. Die Explosionsursachen müssten konsequent ermittelt und den Opfern Gerechtigkeit gegeben werden.

Insbesondere Kinder seien durch die Folgen der Katastrophe gefährdet, warnen Unicef und World Vision. Laut dem UN-Kinderhilfswerk sind rund 80’000 Minderjährige in Beirut obdachlos geworden. Viele seien von ihren Angehörigen getrennt worden und durch das Unglück teilweise schwer traumatisiert. Auch seien medizinische Einrichtungen für Kinder und Schulen schwer beschädigt worden.

Funktionierender Hafen «elementar»

World Vision weist zudem auf Engpässe bei der Nahrungsmittelversorgung hin. Der Libanon importiere die meisten Lebensmittel; daher sei ein funktionstüchtiger Hafen elementar. Die Organisation versorge bedürftige Familien mit Nahrungspaketen, fürchte aber, dass die Vorräte bald aufgebraucht seien. Daneben leiste World Vision auch psychologische Betreuung. Die Kinder würden «das Ausmass der Zerstörung und den Schock durch dieses tragische Ereignis nie vergessen», so die Organisation.

Durch die Detonation am Dienstagabend starben nach derzeitigen Angaben mindestens 145 Menschen; rund 5’000 wurden verletzt. In den von der Druckwelle zerstörten Häusern wurden geschätzt rund 300’000 Einwohner obdachlos.

Die genaue Ursache ist weiter unklar. Medienberichten zufolge fingen rund 2750 Tonnen Ammoniumnitrat in einer ungesicherten Lagerhalle im Beiruter Hafen Feuer und explodierten. Die Stadt wurde zum Katastrophengebiet erklärt. (kna)

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