Mehr Ethik, keine Spekulationen mehr

Der Vatikan will sich künftig bei Finanzinvestitionen von einem moralischen und kulturellen Grundsatz leiten lassen. Die neue Strategie soll ab dem 1. September für fünf Jahre gelten.

Der Heilige Stuhl hat sich eine strengere und einheitliche Investitionsstrategie auferlegt. Damit solle sichergestellt werden, dass Finanzinvestitionen «einen Beitrag zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt» leisteten und sich – ohne finanzielle Spekulationen – von einem «moralischen und kulturellen» Grundsatz leiten liessen, wie der Vatikan am Dienstag bekannt gab.

Wirtschaftssekretariat veröffentlicht neue Strategie

Zugleich solle bei Erhalt des realen Wertes eine ausreichende Rendite erwirtschaftet werden, um die Aktivitäten des Vatikan nachhaltig mitzufinanzieren. Die neue Strategie wurde vom Wirtschaftssekretariat veröffentlicht und greift demnach ab dem 1. September für fünf Jahre. Dabei gibt es eine Übergangsphase zur Anpassung der Investitionen. Die Kontrolle über die Investitionen liegt allein bei der vatikanischen Güterverwaltung APSA. Deren Konto bei der Vatikanbank IOR müssen künftig alle Kurieneinrichtungen ihre Finanzanlagen anvertrauen.

Neues Komitee gegründet

Die APSA soll dann einen einzigen Fonds schaffen, in dem wiederum für die einzelnen Finanzinstrumente Konten eingerichtet werden. Die Tätigkeiten der APSA wiederum soll das neugegründete vatikanische Komitee für Investitionen unter Leitung von Kurienkardinal Kevin Joseph Farrell beaufsichtigen. Weitere Mitglieder des Komitees sind der Gründer des britischen Tech-Unternehmens RegHedge, Jean Pierre Casey, der Direktor der Union-Investment-Privatfonds mit Sitz in Deutschland, Giovanni Christian Michael Gay, der Portfolio-Manager des norwegischen Skagen Funds, David Harris, sowie der Investitionsmanager des Boston College in den USA, John Zona.

Ausschuss wird kontrolliert

Das Komitee für Investitionen veröffentlichte am Dienstag auch seine Statuten. «Das Komitee ist verantwortlich für alle Investitionen des Fonds der zentralen Entitäten», heisst es darin. So soll es die Mandate ausarbeiten, welche die APSA an Portfolio Manager ausgibt. Darüber hinaus soll ein «Compliance Officer» die Arbeit des Ausschusses kontrollieren, um sicherzustellen, dass keine Interessenskonflikte und zu grosse Investitionsrisiken entstehen.

Skandal um Luxusimmobilie

Die Investitionspolitik des Vatikan hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Besonders viel Aufmerksamkeit erhält der derzeit laufende Vatikan-Strafprozess wegen Fehlinvestitionen in eine Londoner Luxusimmobilie. In diesem Zusammenhang sind zehn Mitarbeiter und Berater des Vatikan angeklagt. Unter ihnen auch Kardinal Giovanni Angelo Becciu, der früher eine zentrale Aufgabe im Staatssekretariat innehatte. Den Angeklagten werden unter anderem Veruntreuung, Betrug, Erpressung und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Der Skandal sorgte nicht zuletzt deshalb für Empörung, weil im Raum steht, das investierte Geld stamme auch aus den weltweiten Kollekten des Peterspfennigs. Dies wies der Vatikan jedoch hinsichtlich entstandener Verluste für den Vatikan beim Verkauf der Immobilie zum Monatsanfang erneut zurück. (cic)