Schweizer Synodenbericht greift heisse Eisen auf

Frauenpriestertum, Klerikalismus, Sexualmoral: Schweizer Katholikinnen und Katholiken diskutieren in Einsiedeln über heisse Eisen. Bischof Felix Gmür findet, der Schweizer Synodenbericht solle mit positiven Aspekten beginnen. Die Professorin Eva-Maria Faber hält dagegen – und mahnt zu Reformen.

Frauen können in der katholischen Kirche nicht geweiht werden. Also keine Diakonin, keine Priesterin und erst recht nicht Bischöfin oder Päpstin werden. Doch die Ungleichbehandlung von Frauen in der katholischen Kirche wollen viele nicht mehr hinnehmen, wie die nationale synodale Versammlung in Einsiedeln zeigt.

Erhitzte Gemüter

Das Treffen ist Teil des synodalen Prozesses, mit dem Papst Franziskus die Kirche reformieren will. In Einsiedeln werden Ergebnisse der diözesanen Umfragen diskutiert. Auch wenn sich die Ergebnisse je nach Bistum leicht unterscheiden: So wie bislang kann es nicht weitergehen, sagen die Gläubigen aller Bistümer. Ausser der Frauenfrage erhitzt etwa der diskriminierende Umgang mit queeren Menschen die Gemüter. Oder die Ausgrenzung von Geschiedenen, die ein zweites Mal heiraten.

Geteilte Macht in der Kirche

Diese heissen Eisen werden im Entwurf des Schweizer Synodenberichts klar benannt. Auch der Klerikalismus wird angeprangert und die Mitsprache des «Volkes Gottes» bei der Bischofswahl eingefordert. Geht es nach dem Entwurf des Schweizer Synodenberichts, dann soll künftig die Macht in der Kirche geteilt werden und die Liturgie lebendiger werden.

Darüber haben am Montag rund 50 Menschen aus der katholischen Kirche diskutiert. Das Kloster Einsiedeln hatte in den grossen Saal des Klosters geladen. Ein Rundgang zu den verschiedenen Diskussionsgruppen hinterlässt den Eindruck: Die Forderungen im Synodenentwurf sind selbstverständlich. Niemand stellt die Aussagen grundsätzlich infrage. Unter den Anwesenden sind alle Bischöfe, einige Mönche, Frauen und Männer aus Organisationen wie den Kantonalkirchen, dem Frauenrat und aus diözesanen Gremien. Sie diskutieren in gemischten Gruppen.

Mit dem Positiven beginnen

Sechs Diskussionsgruppen sind über den barocken Saal verteilt. Der Geräuschpegel ist hoch. In einer Gruppe sitzt Bischof Felix Gmür. Der aktuelle Synodenbericht hebe das Negative zu sehr hervor, kritisiert der Basler Bischof. «Man sollte doch mit dem Positiven beginnen». Etwa damit, dass die Frauen an einigen Orten in der Schweiz bereits Leitungsfunktionen innehätten. Es gehe hier darum, Verbesserungsvorschläge anzubringen, entgegnet die Churer Dogmatik-Professorin Eva Maria Faber. Sie findet die Fokussierung auf Kritikpunkte deshalb richtig.

Vielfalt wertschätzend darstellen

Im Laufe des Tages bringen die Teilnehmenden weitere Änderungswunsche ein: Die Vielfalt solle wertschätzend dargestellt werden. Manche bemängeln, Kritik würde sowieso nichts bringen. Das fördere nur das Gefühl des Nicht-Gehörtwerdens. Ein weiterer Kritikpunkt lautet: Klerikales Verhalten sei nicht nur bei Priestern ein Problem, sondern auch bei anderen Pastoralverantwortlichen. Und bei Laien in der Kirche, monieren zwei Gruppen. Sie wollen, dass der entsprechende Passus geändert wird.

Kritisiert wird zudem, dass die Frage der Gleichberechtigung zu sehr auf die Deutschschweiz gemünzt sei. Dabei betreffe sie die Kirche in der ganzen Schweiz. Gefordert wird eine Definition der Ausgrenzung von Gruppierungen. Und die Mitberücksichtigung von Menschen mit Beeinträchtigung.

Endfassung im Sommer fertig

Erstmals in der Schweiz finde eine solche Grundsatzdiskussion über alle Gremien hinweg statt, sagt Arnd Bünker, Leiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI) in St. Gallen. Er hat in der Vorbereitungsgruppe mitgewirkt, war also am Entwurf massgeblich beteiligt. Bünker ist auch geschäftsführender Sekretär der Pastoralkommission der Schweizer Bischofskonferenz.

Nach der synodalen Versammlung wird eine Redaktionsgruppe aus dem Entwurf den finalen Bericht redigieren. Die Endfassung stehe bis zum Sommer, kündigt Arnd Bünker gegenüber kath.ch an. Der Bericht geht dann nach Rom und landet dort zunächst bei den Gremien der europäischen Bischofskonferenz – und schliesslich bei der Weltsynode im Herbst 2023.

Schweizer Bischöfe wollen sich in Rom für Frauen, Geschiedene und LGBTQ stark machen

Die Schweizer Bischofskonferenz hat angekündigt, sich in Rom für eine «bessere Inklusion aller Getauften» stark machen zu wollen. Konkret gehe es um die Teilhabe von Frauen, wiederverheirateten Geschiedenen und LGBTQ.

Bischof Markus Büchel: «Mich hat die Frauenthematik besonders angekickt»

Der synodale Prozess in der Schweiz fordert die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der katholischen Kirche. Das Thema sei im nationalen Bericht «gut deponiert», sagt der St. Galler Bischof Markus Büchel (72). Er ist bei der Bischofskonferenz für die Frauenfrage zuständig.

Bischof Charles Morerod: Die Menschen erwarten zu viel vom Bischof

«Wir sind gemeinsam unterwegs. Es sollte nicht so viel vom Bischof abhängen», sagt der Westschweizer Bischof Charles Morerod nach der nationalen synodalen Versammlung in Einsiedeln. Er betont: «Die Kirche besteht nicht nur aus Klerikern, sondern aus allen Getauften.»