Umfrage unter deutschen Katholiken: Kirche muss sich erneuern

Unter anderem wünschen sich die Teilnehmer eine stärkere Beteiligung von Laien, insbesondere von Frauen, eine erneuerte Sexualmoral und eine verständlichere Sprache. Die Kirche dürfe nicht den Anschluss an die Welt verlieren. Daher müsse sie sich verstärkt in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen, «und zwar zu den gesellschaftlich relevanten (und nicht nur kirchlich interessierenden) Themen, wie zum Beispiel Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Würde des Menschen, Armut und Migration, Krieg und Frieden».

«Wunsch nach mehr Dialog in Kirche und Gesellschaft»

Der Bericht fasst die Ergebnisse der Umfrage auf 13 Seiten zusammen. Das Papier geht an den Vatikan und ist Teil der von Papst Franziskus im Sommer 2021 ausgerufenen Weltsynode. Diese endet im Herbst 2023 mit einer Bischofsversammlung in Rom. Mit dem weltweiten Prozess will Franziskus in der katholischen Kirche vor allem einen anderen Umgangsstil etablieren. Dabei sollen Themen und Herausforderungen für Kirche und Christen benannt werden. Es geht auch um die Frage, wie Laien in der Kirche gestärkt werden können.

Ein «Wunsch nach mehr Dialog in Kirche und Gesellschaft» ziehe sich durch alle Berichte aus den 27 deutschen Bistümern, fasst die Bischofskonferenz zusammen: «Vor allem auf den Dialog mit den Menschen einer säkularen Gesellschaft fühlen sich viele nicht vorbereitet und dazu nicht befähigt.» Beklagt werde zudem eine Ausgrenzung von Menschen, die wie etwa schwule oder lesbische Paare nicht im Einklang mit der geltenden Lehre der Kirche lebten.

Blockaden zwischen verschiedenen Gruppen

Innerkirchlich gebe es nicht selten Blockaden «zwischen denen, die sich von der Welt abgrenzen wollen, und denen, die sich in kritisch-konstruktiver Zeitgenossenschaft mit der Gesellschaft verstehen», heisst es weiter. Zudem fehle oft eine Atmosphäre, in der angstfrei und offen über umstrittene Themen wie Fragen der Sexualität geredet werden könne. Die Aussendarstellung der Kirche wird den Angaben zufolge oft als «verkrustet, zu hierarchisch und altmodisch» angesehen.

In den Gemeinden, so der Bericht weiter, nehme die Zahl der haupt- und ehrenamtlich Engagierten stetig ab. Frustration und Überlastung seien die Folgen. Viele Laien fühlten sich von der Hierarchie «ausgebremst». Mit Blick auf Priester sei mehrfach der Wunsch geäussert worden, sie von Managament- und Verwaltungsaufgaben zu entlasten, damit sie sich verstärkt der Seelsorge widmen könnten: «Leitung sollten die wahrnehmen, die dazu das Charisma, die Ausbildung und Kompetenz besitzen.»

Magere Beteiligung der Gläubigen

Einen eigenen Teil widmen die deutschen Bischöfe dem Reformprojekt Synodaler Weg und früheren Erfahrungen in gemeinsamen Beratungen auf nationaler Ebene. In den Bistümern zeige sich diesbezüglich «eine gewisse Ambivalenz», so die Bischöfe: «Einige sind so enttäuscht, dass sie von einer neu beschworenen Synodalität nichts mehr erwarten. Andere lehnen diese ab und wollen, dass alles beim Alten bleibt.»

An der Befragung hätten sich nur wenige Katholiken beteiligt; die Rückmeldungen lägen «im untersten einstelligen Prozentbereich», hiess es. Die Berichte aus Diözesen und nationalen Bischofskonferenzen sollen die Grundlage abgeben für die zweite Vorbereitungsphase der Weltsynode. In diesem Schritt sollen die Stimmungsbilder für jeden Kontinent zusammengefasst werden.

Bischofsversammlung im Herbst 2023

Der weltweite synodale Prozess schliesst im Herbst 2023 mit einer Bischofsversammlung. Diese soll die Eindrücke aus dem weltweiten Erfahrungsaustausch bündeln. Allerdings ist sie nur ein Teil der vom Papst im Sommer 2021 gestarteten Weltsynode. (kna/kath.ch)