Aktuelle Nummer 13 | 2021
20. Juni 2021 bis 03. Juli 2021

Weihbischof Paul Vollmar im Alter von 86 Jahren gestorben

Das Bistum Chur trauert um Paul Vollmar. Der emeritierte Weihbischof ist am Sonntag im Alter von 86 Jahren gestorben. Zusammen mit Peter Henrici wurde Vollmar als Weihbischof eingesetzt, um das Bistum Chur in den 1990er-Jahren zu befrieden.

Paul Vollmar wurde am 11. Oktober 1934 im deutschen Überlingen geboren. 1954 trat er der Ordensgemeinschaft der Marianisten bei, zehn Jahre später wurde er zum Priester geweiht. 1967 wurde er von der Uni Freiburg promoviert. Seine Dissertation widmete Vollmar den «liturgischen Anschauungen des Ignaz Heinrich Wessenberg», dem letzten Generalvikar des im Jahre 1821 aufgehobenen Bistums Konstanz.

Berufung nach Chur

1968 kam Paul Vollmar als Religionslehrer und Hausgeistlicher für die Marianisten nach Zürich und wirkte zwischen 1972 und 1984 als Rektor der Freien Katholischen Schulen Sumatra. Während seiner achtjährigen Amtszeit als Provinzial (1984 bis 1992) der Schweizer Marianisten leitete er 65 Mitbrüder und reorganisierte den Orden. 1993 wurde er gemeinsam mit Weihbischof Peter Henrici im Zuge kircheninterner Spannungen dem damaligen Churer Bischof Wolfgang Haas zur Seite gestellt. Die Konstellation brachte jedoch nicht die erhoffte Beruhigung; 1997 wurde Haas als Erzbischof nach Vaduz weggelobt.

«Werkstätten Zukunft Kirche Zürich»

Vollmar war zunächst als Generalvikar für Graubünden, Glarus und das Fürstentum Liechtenstein tätig, seit 1998 wirkte er in der gleichen Funktion für die Urschweiz. 2003 wurde Paul Vollmar Generalvikar mit der besonderen Verantwortung für die Seelsorge in den Kantonen Zürich und Glarus. 2004 arbeitete Vollmar als Schweizer Vertreter an der Revision des deutschsprachigen Messbuchs mit. 2006 initiierte er das Projekt «Werkstätten Zukunft Kirche Zürich», das in den Pfarreien einen mehrstufigen und interaktiven Prozess in Gang setzte. 2009 trat er im Alter von 75 Jahren als Weihbischof zurück und lebte seither in Zürich.

Botschaften auch für den Vatikan

Anlässlich seines Rücktritts sprach die NZZ 2009 von einem «zurückhaltenden Kirchenmann», der das Rampenlicht nicht suchte. Das Bischofsamt habe er als Scharnierfunktion verstanden: «Ihm ging es nicht nur darum, Entscheide des Vatikans oder der Bischofskonferenz umzusetzen. Genauso wichtig war ihm, ein offenes Ohr für die Anliegen der Gläubigen zu haben und diesen in Chur oder Rom Gehör zu verschaffen», schrieb die NZZ.

Schon länger ging es Paul Vollmar gesundheitlich nicht gut. Letzten Sommer war er im Spital. Laut seinem in Deutschland lebenden Neffen René Vollmar sah es damals schon «nicht sehr gut aus». Interview-Anfragen lehnte der zurückgezogen lebende Vollmar ab. «In der Nacht vom Sonntag, 2. Mai 2021 ist er in Zürich nach langer, geduldig ertragener Krankheit verstorben», schreibt das Bistum Chur auf seiner Website. Wann der Trauergottesdienst stattfinden soll, ist noch unklar.

 

Weihbischof Peter Henrici: «Paul Vollmar hat mehr gelitten als ich»

16 Jahre lang wirkte Paul Vollmar als Weihbischof im Bistum Chur. Befrieden konnte er das zerstrittene Bistum nicht. Aber er konnte so manche Konflikte entschärfen, etwa die Spannungen zwischen Chur und Zürich.

Paul Vollmar und Urban Federer: Germanisten unter sich

Die Liebe zu Gott und zur Literatur hat die beiden Germanisten Urban Federer ist Paul Vollmar verbunden. An Vollmars Bischofsweihe wirkte Federer als Diakon.

«Ich bin gesalbt, nicht angeschmiert!» Was Paul Vollmar zu Firmlingen sagte

Vom Bodensee zum Käferberg: Paul Vollmar wurde in Überlingen geboren, seine letzte Pfarrei war Heilig Geist in Höngg. Bis Anfang 2020 feierte er dort noch Gottesdienste. Zu Firmlingen sagte er: «Die Salbung geht unter die Haut. Sie geht an die Substanz, an unsere Identität.»

Mario Galgano: «Paul Vollmar war einer, der mitprägte und mitprägen wollte»

Mario Galgano ist Redaktor bei Vatican News in Rom. Von 2004 bis 2006 war er Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz – und lernte so den verstorbenen Weihbischof Paul Vollmar gut kennen.

Casual zum Papst: Warum Paul Vollmars Outfit zu reden gab

Weihbischof Paul Vollmar verachtete klerikale Allüren. Er weigerte sich, zum Ad-limina-Besuch beim Papst den bischöflichen Rock anzuziehen.