Westschweizer Bistum hält sich knapp über Wasser

Die finanzielle Lage des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg ist dramatisch. Das vorhandene Geld reicht nicht aus, um die wachsenden Aufgaben zu finanzieren. «Wären wir ein privates Unternehmen, müssten wir Konkurs anmelden», sagt Diözesanökonom Benoît Badoud. Ursachen sind insbesondere die zunehmende Arbeitsbelastung des Bistums und steigende Kosten.

Die Katholischen Kirche im Kanton Freiburg hat am 13. Juni beschlossen, das Westschweizer Bistum mit einer Spende von 25’000 Franken zu unterstützen. Möglich gemacht hat dies ein unerwarteter Ertragsüberschuss im vergangenen Jahr, heisst es in einem Communiqué.

Die schwierige Lage des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg (LGF) beschäftigt die Katholische Kirchliche Körperschaft (KKK) im Kanton Freiburg indes seit Monaten. Im März nahmen deshalb Bischof Charles Morerod und Diözesanökonom Benoît Badoud an der Versammlung der KKK teil, wo sie die Aufgaben des Bistums und deren Kosten präsentierten.

Spendenaufruf an Pfarreien

Jede Spende entlaste das Bistum, sagt Badoud auf Anfrage von kath.ch zum Entscheid der Freiburger Kantonalkirche. Doch der Betrag von 25’000 Franken sei «nicht nennenswert» angesichts eines Defizits von 274’000 Franken im Budget 2025. Es ist nicht die erste und einzige Spende, die das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg (Bistum LGF) aufgrund der angespannten finanziellen Lage erhält.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres lancierte die Diözese einen Spendenaufruf an die Pfarreien im Kanton Freiburg. Es kamen Spenden von Pfarreien in der Höhe von 110’000 Franken zusammen. «Eine der Pfarreien hat uns eine sehr grosszügige Spende von 30’000 Franken gemacht», so Badoud. Andere wiederum hätten nichts geben wollen, da sie zur Finanzierung des Bistums bereits via Beiträge an die Kantonale Körperschaft beitragen.

Liquidität für zwei bis drei Wochen

Doch diese Spenden helfen dem Bistum nicht aus dem Schneider. Die Diözese hält sich nur knapp über Wasser, wie die Schilderungen von Benoît Badoud aufzeigen. «Unsere Liquidität reicht nur für zwei oder drei Wochen. Wir sind immer wieder auf der Suche nach Zwischenlösungen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.»

Wie die missliche Finanzlage nachhaltig verbessert werden kann, ist im Moment offen. «Wir sind immer noch auf der Suche nach Lösungen», sagt Badoud. «Wären wir ein privates Unternehmen, müssten wir Konkurs anmelden.» In der Zwischenzeit sei man bestrebt, durch Projekte und Investitionen Einnahmen für die Zukunft zu generieren.

Unbesetzte Stellen

Der Geldmangel wirkt sich negativ auf den Betrieb des Bistums aus. Man sei wegen der fehlenden Ressourcen in verschiedenen Abteilungen mit einem «chronischen Personalmangel» konfrontiert, während gleichzeitig die Arbeitsbelastung von Jahr zu Jahr deutlich zunehme, sagt der Diözesanökonom. Stellen seien nicht besetzt worden. Im Gegenteil. «Wir mussten eine Kündigung für eine Vollzeitstelle aussprechen», so Benoît Badoud.

Auf Lohnkürzungen verzichtet man jedoch – trotz allem. «Die im Bistum praktizierte Lohnpolitik liegt bereits deutlich unter dem Niveau, das im privaten und öffentlichen Verwaltungs- und Fachbereich im Kanton Freiburg üblich ist», sagt Badou. Eine Kürzung der Löhne könnte zu Personalabgängen führen, was «problematisch» wäre.

Mehr Arbeit und mehr Kosten

Zu den Ursachen der schwierigen Finanzlage zählt der Diözesanökonom insbesondere die gestiegene Arbeitsbelastung des Bistums – etwa bei der Prävention von Missbrauch. Dabei fallen auch Kosten für externe Experten an, zum Beispiel bei der Durchführung der psychologischen Eignungstests. «Ein Assessment kann bis zu 3500 Franken kosten», so Badoud. Aufwendig sind auch Ehenichtigkeitsverfahren. Ein solches könne bis zu 150 Arbeitsstunden erfordern.

Das Budget des Bistums beläuft sich auf rund 3,5 Millionen Franken. Die Einnahmen stammen zu 53,8 Prozent von den kantonalen kirchlichen Körperschaften und Verbänden in den vier Bistumskantonen in Form von Subventionen. 40,7 Prozent der Einnahmen erwirtschaftet das Bistum selbst.

Dies seien unter anderem Spenden, Mieteinnahmen, Gebühren – zum Beispiel für die Kontrolle kirchlicher Stiftungen durch das Bistum – Erträge aus Dienstleistungen und Weiterverrechnungen an Dritte, sagt Badoud. Unter dem Strich bleiben ungedeckte Aufwände von 5,5 Prozent.

Kantonalkirchen haben zu wenig bezahlt

Dem Bistum fehlen laut Benoît Badoud 223’000 Franken an Subventionen von Seiten der kantonalen Körperschaften und Verbände für das Jahr 2025. «Gemäss Planung auf der Basis des RKZ-Verteilschlüssels hätten die kantonalen Korporationen und Verbände 2’290’000 CHF einzahlen sollen; im Jahr 2025 haben sie jedoch 2’067’235 CHF eingezahlt», stellt er fest. Ob der RKZ-Verteilschlüssel für die Subventionierung von Bistümern angewendet werden soll, ist jedoch fraglich.

Fraglicher RKZ-Verteilschlüssel

RKZ steht für Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz, die Dachorganisation der kantonalkirchlichen Organisationen. «Der RKZ-Schlüssel ist ein Instrument zur Aufteilung der Kosten der katholischen Institutionen auf nationaler Ebene auf die verschiedenen kantonalen Körperschaften», schreibt Cédric Pillonel auf Anfrage. Im Reglement zum Verteilschlüssel werde seine Anwendung für die Aufteilung der Beiträge zugunsten der Diözesen nicht erwähnt, erklärt der Generalsekretär der Waadtländer Kantonalkirche (Fédéc VD).

Die Finanzmodelle der kantonalen Körperschaften auf dem Gebiet des Bistums LGF unterscheiden sich stark voneinander, «was Zweifel an der Angemessenheit des RKZ-Schlüssels aufkommen liess», so Pillonel. Der Schlüssel basiere hauptsächlich auf der Kirchensteuer. Eine solche gibt es nur im Kanton Freiburg, nicht aber in den übrigen Bistumskantonen.

Auch Marc Joye, im Exekutivrat der KKK für die Finanzen verantwortlich, weist darauf hin, dass die Situation in den Kantonen unterschiedlich sei. Der RKZ-Schlüssel sei nur eine «Indikation», an der man sich «sicherlich» orientieren könne, sagt er gegenüber kath.ch. «Für uns ist aber der Schlüssel nicht fein genug definiert.»

Freiburger und Waadtländer zahlen immer mehr

Die Beiträge der Freiburger Kirche ans Bistum hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, sagt Joye. Von 652’000 im Jahr 2022 auf 750’000 Franken im Jahr 2026. «Das Problem ist, dass das Bistum immer mehr Geld braucht.» Im Jahr 2025 habe man dem Bistum nicht den vom ihm gewünschten Betrag gewähren können. «Wir mussten 2025 überall reduzieren. Man kann nicht bei allen anderen die Beiträge kürzen, dem Bistum aber mehr geben.»

Auch die Beiträge der Waadtländer Kantonalkirche ans Bistum LGF haben laut Cédric Pillonel seit 2022 zugelegt. Von rund 653’700 Franken im Jahr 2022 auf 750’000 Franken im Jahr 2025.