Daniel Bogner: Menschenrechte geraten in Verruf – Chance für Christentum

«Sie werden lächerlich gemacht als ein Schönwetter-Projekt, gut für konfliktfreie Zeiten, aber ungeeignet in Zeiten der Krise», schreibt Bogner in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Zu einer menschenrechtlichen Grundordnung etablierten sich autoritäre Alternativen. «Von den Potentaten weltweit (Putin, Trump u.a.) werden Menschenrechte schlicht ignoriert und niedergewalzt, von anderen werden sie als ‹anstrengend› und als überzogene Forderungen dargestellt, vermeintlich ungeeignet für eine Welt des 21. Jahrhunderts», kritisiert Bogner, der an der Universität Freiburg (Schweiz) Moraltheologie und Ethik lehrt.

Menschenrechte hätten den Anspruch, «inmitten von Konflikt und unterschiedlichen Interessen ein zwar grobmaschiges, aber eben existierendes Netz der Verständigung zu erhalten, mit dem verhindert werden kann, dass die Welt noch einmal so in sich zusammenstürzt und ganze Bevölkerungsgruppen den Preis dafür bezahlen müssen, wie dies in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Fall war», so Bogner.

Der Theologe sieht angesichts der Lage eine Chance für das katholische Christentum. Im Zuge der Wahl von Papst Leo XIV. sei weltweit ein grosses Interesse daran zu spüren gewesen, wen die katholische Kirche für ihr höchstes Amt bestimmen würde. «Es gab eine Erwartung und eine Hoffnung, dass diese Persönlichkeit eine Instanz der Einheit und des Zusammenhaltens sein könnte – inmitten einer Welt, die immer mehr auseinandertreibt.»

Dringend brauche es Kräfte, «die verteidigen und mit neuer Kraft ausstatten, was alle angeht und allen gemeinsam ist». Eine universale Kirche solle sich der Aufgabe widmen, hierfür eine Stimme zu sein. «Auch wenn sie nach ihrem eigenen Versagen (Missbrauch, Ausgrenzungen und Herrschsucht) ihre Rolle für diese Aufgabe nochmals neu justieren muss. Man hat den Eindruck, Papst Leo ist gerade schon dabei.»