Aktuelle Nummer 13 | 14 | 2020
21. Juni 2020 bis 18. Juli 2020

Editorial

Frauenpower

Die katholische Kirche ist eine der letzten öffentlich-rechtlichen Organisationen, die Frauen von wichtigen Entscheidungsämtern ausschliesst. Entsprechend wurde die Forderung nach der Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche zu einem Brennpunkt der Reformdiskussion und bekam durch die Missbrauchskrise noch grössere Dringlichkeit. Ein Rückblick auf das Jahr 2019 zeigt dies eindrücklich.

  • Höhepunkt war sicher der Frauenkirchenstreik unter dem Motto «Gleichberechtigung. Punkt. Amen».
  • Das Benediktinerinnenkloster Fahr initiierte das «Gebet am Donnerstag» für die Veränderung der Kirche, das seither weltweit gepflegt wird.
  • Das Pilgerprojekt «Kirche mit* den Frauen» formierte sich als Plattform für den Austausch von Erfahrungen von «Kirche mit –» oder «Kirche ohne Frauen».
  • Die Gläubigen der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt verankerten das Gleichstellungsprinzip in ihrer landeskirchlichen Verfassung.
  • Bischof Felix Gmür empfing eine Delegation der Bewegung «Wir haben es satt!». 
  • Am Magdalena-Tag startete die Aargauer Kirche die Kampagne «Maria von Magdala – liturgische Feiern vor der Kirchentüre!». 
  • Die Junia-Initiative schlägt Frauen und Männer vor, die für eine sakramentale Beauftragung durch die Ortsbischöfe bereit sind. 
  • Die internationalen Netzwerke «Voices of Faith» und «Catholic Women’s Council» koordinieren die Frauenbewegungen weltweit.  

Natürlich gibt es auch katholische Frauen, die sich von solchen Aktionen distanzieren und mit ihrer traditionellen Rolle zufrieden sind. Aber dass die Gleichberechtigung der Geschlechter ein fundamentales Recht darstellt, wird auch von der Kirchenleitung anerkannt. Für zahlreiche Bischöfe gibt es selbst für die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern theologisch gute Gründe. Dagegen sprechen die jahrhundertealte, mächtige Männertradition und die machogeprägte Mentalität in manchen Ländern. Der Katholische Frauenbund zeigt jedoch, dass Frauenpower ausdauernd ist. Seit 100 Jahren setzt er sich für die Frauen in Kirche und Gesellschaft ein. 

Ich wünsche Ihnen Power und Freude unter der für alle gleichen Sonne.

 

Kuno Schmid