Aktuelle Nummer 19 | 2020
13. September 2020 bis 26. September 2020

Jugend

«Ich habe dort viel für mein Leben und meinen Glauben gelernt»

von Christiane Lubos

Im Sommer 2018 verwirklichte David Sailer aus Solothurn seinen Bubentraum: Am 6. Mai wurde er zusammen mit 32 jungen Männern als Schweizer Gardist in Rom ­vereidigt. Nach zwei Jahren Dienst kam er nun wieder zurück und erzählt von ­seinen reichen Erfahrungen.

David, was waren ganz besondere ­Momente in deinem Dienst?
Es gibt natürlich viele! Ich denke an die Vereidigung zu Beginn, aber auch an die Abschiedsaudienz. Da durfte jeder Papst Franziskus persönlich begegnen, ihm Fragen stellen. Es waren ganz intensive Minuten! Aber auch die nächtlichen Wachen vor seiner Wohnung. Wenn er frühmorgens aus der Tür kam, dann wechselte er immer ein Wort mit uns, ein «Guten Morgen» oder er fragte mich, ob ich nicht müde sei. Jeder junge Gardist bekam dann auch immer ein Buch von ihm geschenkt, und er betonte, wir sollten es Kapitel für Kapitel lesen. Das mache ich auch jetzt noch.

Wie hast du Papst Franziskus erlebt?
Wir waren ja immer ganz nahe dran, aber immer diskret im Hintergrund. Dennoch bekommt man viel mit – auch in den Begegnungen mit Politikern, Diplomaten, Menschen aus anderen Kulturen und Religionen … Papst Franziskus nimmt sofort Kontakt mit seinem Umfeld auf, er sieht dir in die Augen, er spricht dich an. Er ist sehr menschlich.

Was bedeutet dir rückblickend die Zeit in der Garde?
Mein Dienst ist jetzt aus, aber einmal Gardist – immer Gardist. In dieser Zeit habe ich viel für mein Leben und meinen Glauben gelernt, ich musste mich mit meinem Glauben auseinandersetzen. Er wurde bewusster und tiefer.

Würdest du jungen Männern empfehlen, Gardist zu werden?
Ja sicher. Aber es braucht auch einen offenen Geist und die Bereitschaft, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. In der Garde lebt man wie in einer Familie. Das bedeutet auch gegenseitige Rücksichtnahme. Da geht es nicht um Selbstverwirklichung. Es braucht auch Geduld, aber die lernt man. Insgesamt habe ich 600 Stunden still gestanden, bei den grossen Feiern vier Stunden am Stück … Das braucht viel Willenskraft.

Warum hast du dich für so etwas entschieden?
Früher habe ich die Kirche als langweilig empfunden. Ab der Firmung hat sich das geändert. Die Prinzipien, für die die Garde einsteht, sind auch die meinen. Es macht mich glücklich, etwas von meiner Zeit zu schenken, zu teilen, christlich zu leben. Papst Franziskus ist mir da ein Vorbild. Aber es gibt auch schwierige Momente. Der Kaplan unserer Garde sagte mir einmal: «In den Schwierigkeiten ist es wichtig, sich an den Anfang zu erinnern.» Das gilt wohl auch sonst im Leben. 

Mit welchen drei Worten würdest du deine Zeit bei der Garde zusammenfassen?
Freude – Stolz – Kameradschaft.

 

Im Oktober findet jedes Jahr eine Schnupperwoche für Interessierte statt. 
www.schweizergarde.ch