Aktuelle Nummer 2 | 2020
25. Oktober 2020 bis 07. November 2020

Schwerpunkt

Zukunft der Klöster

von Kuno Schmid

Das Solothurner Kapuzinerkloster und die Klöster Namen Jesu und Visitation grenzen alle an die «­Loretomatte» und sind durch die Wege zur Loretokapelle miteinander verbunden. Gemeinsam ist ­ihnen auch die Sorge um die Zukunft. Wegen Nachwuchsmangels haben die Kapuziner bereits 2003 Solothurn verlassen und auch in den Frauenklöstern sind grosse Veränderungen im Gang. Viele ­Interessierte helfen in Projekten und Vereinen mit, um den Geist und das Leben der Klöster in neuen Formen für die Zukunft zu erhalten.

Die drei Klöster entstanden alle in der Zeit der Gegenreformation. Zuerst galt in Solothurn konfessionelle Toleranz für Katholiken und Reformierte. Später entschied sich die Solothurner Obrigkeit für die «Katholische Reform». 1588/1592 kamen die Kapuziner, ein franziskanischer Reformorden, um die Seelsorge wieder aufzubauen und die Bevölkerung zum katholischen Glauben zurückzuführen. Unter Mitwirkung der Kapuziner entstand auch das Kapuzinerinnenkloster Namen Jesu (1609/1618). Die Salesianerinnen des Klosters Visitation (1641/1674) folgten Franz von Sales, dem innovativen Verfechter der katholischen Reform im Bistum Genf. 

Die Klöster waren eine Antwort auf die konfessionelle Spaltung und eine religiöse Verwahrlosung. Sie dienten der katholischen Glaubenserneuerung. Spätere Jahrhunderte haben andere Fragen gestellt und neue Formen des christlichen Gemeinschaftslebens hervorgebracht mit Orientierung an Bildung, Mission oder Krankenpflege. Heute sind jedoch alle in ihrer Existenz bedroht, da es kaum noch neue Eintritte gibt. Die kirchlichen Berufs- und Lebensmodelle, die eine Bindung fürs ganze Leben umfassen, stehen zum raschen Wandel der heutigen Berufs- und Lebenswelt in einem Kontrast wie in keinem Jahrhundert zuvor. Trotzdem soll die spirituelle und soziale Tradition der Klöster nicht einfach verloren gehen. Menschen aus der Region Solothurn suchen deshalb auf unterschiedliche Weise nach Wegen, wie das Leben in den drei Klöstern weitergehen kann.

Kapuzinerkloster Solothurn
Neues Leben in ­altem ­Gemäuer
Staunende, freudige Blicke in der historischen Küche des Kapuzinerklosters Solothurn. Gäste einer Familienfeier freuen sich am reichhaltigen Buffet – man nimmt, was und wie viel man mag. Überaus köstlich finden sie die Salate und das Gemüse aus dem Klostergarten, alte einheimische Sorten. Verfeinert mit ebenso einheimischen Kräutern. Fleischliebhaber ergötzen sich am feinen Zupfbraten und der unnachahmlichen, leicht rauchigen Sauce. Alles echt, unverfälscht, selber produziert.
Klosterverwalter Urs Bucher, bekannter Gastronom, sorgt dafür, dass niemandem etwas fehlt. Dahoud, afghanischer Asylbewerber und mittlerweile ein guter Koch, geniesst die Anerkennung der Gäste. Rahmodin, ebenfalls aus Afghanistan, wäscht Geschirr.
Im Garten blickt Ferdinand, ein Schweizer, über gebückte Rücken: Mitglieder des Kloster­Klubs unterhalten den Biogarten.
Mittlerweile begibt sich die Gästeschar der Familienfeier in die Klosterkirche zum Konzert.
Das Küchenpersonal räumt die Buffetreste in den Tiefkühler. Restlos alles wird wieder verwendet. Auch zu Suppen an Suppentagen, deren Erlös jeweils an eine soziale Institution geht.
Draussen wartet das Dessert in der 200 Jahre alten Buchenlaube. Auf den Gartenwiesen finden die Gäste problemlos Platz.
Urs Bucher stellt ihnen den Betrieb des Klosters in franziskanischem Geist vor. Ein Betrieb in Achtung und Respekt vor der Schöpfung. Konkret: absolute Nachhaltigkeit und diakonischer Dienst am Nächsten, indem Menschen mit Einschränkungen und Asylbewerbende Beschäftigung finden.
Alwin Gasser
www.kapuzinerkloster-solothurn.ch

Kloster Namen Jesu
Auch in Zukunft eine Gemeinschaft für Frauen
Wie viele andere Klostergemeinschaften in der Schweiz müssen sich auch die Schwestern des Klosters Namen Jesu in ­Solothurn damit auseinandersetzen, dass wegen fehlendem Nachwuchs eine über 400-jährige Tradition zu Ende gehen wird. In der jetzigen Form wird die Gebets-,
Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit weniger als zehn Frauen nicht mehr lange selbstständig weitergeführt werden können. Die in der Nachfolge von Klara und Franz von Assisi stehenden Nonnen wollen jedoch verhindern, dass dereinst das Konventsgebäude leer steht und einer gemeinschaftlichen Nutzung entzogen wird. In zeitgemässen Formen soll neues Leben in der von viel Grünfläche umgebenen Anlage ermöglicht werden. Darum haben der Verein Kloster Namen Jesu und das Bistum Basel grünes Licht für die Prüfung von neuen Nutzungsideen für die Klosteranlage gegeben.
Die gemeinnützige Frauenhotel AG wurde unter dem Projektnamen «Klarahof» mit der Ausarbeitung eines Konzepts beauftragt. Sie ist Trägerin der «Sinn & Gewinn Hotels», zu denen zwei Hotels und zwei Frauenpensionen in Zürich und Lausanne gehören. Die Betriebe erbringen soziale Leistungen: Die Hotels bieten Integrationsarbeitsplätze für Frauen an, die Pensionen Zimmer für Frauen in Notsituationen. Die Frauenhotel AG ist ein Frauenunternehmen und einer langen Tradition von sozialem Engagement durch Frauen verbunden. Das Kloster Namen Jesu soll auch zukünftig in traditioneller Verbundenheit ein Ort bleiben, wo Frauen gemeinschaftlich wohnen und arbeiten.
Reto Stampfli
www.namenjesu.ch

Kloster Visitation
Seit zehn Jahren hilft der Förderverein
Die Stille – eigentlich gehört sie ja zum Klosterleben dazu. Doch in der Zeit, als alle Gottesdienste und liturgischen Angebote ausgesetzt wurden, fehlte den Schwestern die Begegnung mit den Menschen und mit den Kollekten auch ein Teil der Grundeinnahmen. Corona veränderte auch das Leben in den Klöstern. Ohne den finanziellen Zustupf des Fördervereins Kloster Visitation hätte sich der Alltag der fünf jungen indischen Schwestern Kiran, Philomena, ­Promila, ­Sukanti, Savitha Mary und Sr. Marie-Dominique noch schwieriger gestaltet.
Als der Förderverein 2010 gegründet wurde, stand nicht Finanzielles, sondern tatkräftiges Mitanpacken und den Bekanntheitsgrad des Klosters zu steigern im Vordergrund. Die acht betagten Salesianerinnen, zwei Schwestern Affiliées und die mit unserer Kultur noch nicht vertrauten indischen Schwestern brauchten Hilfe, um den Klosteralltag aufrechtzuerhalten. 2017 übergab die letzte im Kloster Visitation lebende Salesianerin, Sr. Marie-Dominique Bucher, die Verantwortung für das Kloster an die Ordensgemeinschaft der Sisters of Sacred Sciences (SSS). Damit endete die Ära der Visitationsschwestern in Solothurn, welche die Liegenschaft schon einige Jahre früher dem Verein Basilea und damit dem Bistum Basel übereigneten.
Seit der Übergabe ist der Lebensunterhalt des Konvents zu einer zentralen Vereinsaufgabe geworden. Im August 2021 soll – getreu der Solothurner Zahl 11 – das Vereinsjubiläum gefeiert werden, welches dieses Jahr nicht stattfinden konnte. Der Förderverein hofft, an einem Jubiläums-Wochenende mit Führungen und einem Kloster-Broccante Wesentliches zum Lebensunterhalt der Schwestern beisteuern zu können. Bis dahin herrscht in den Klostergängen noch Stille.
Silvia Rietz
www.klostervisitation.ch

SAM 3619

Indische Schwestern beleben mit Sr. Marie-Dominique das Kloster Visitation.