Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Welttag zur Überwindung der Armut und sozialen Ausgrenzung

vgl. Pfarrblatt Region Olten, Seite 4: Papst Franziskus mahnt zur Überwindung der Armut und der sozialen Ausgrenzung, von Hans Alberto Nikol Spitalseelsorger und Delegierter der Pastoralkonferenz im Vorstand Caritas Solothurn

 

Die Präsidentin des Nationalrates, Marina Carobbio, hat am UNO-Welttag zur Überwindung der Armut eine Delegation von Kindern der Bewegung «ATD Vierte Welt» im Bundeshaus empfangen. In Begleitung ihrer Eltern verwiesen sie am Donnerstag auf die Verantwortung aller im Kampf gegen die Armut.

Die Kinder haben von den Schwierigkeiten gesprochen, wenn man heute aufgrund von Armut, Krieg oder Fremdplatzierungen in unsicheren Verhältnissen aufwächst, und was es bedeutet, deshalb von anderen diskriminiert oder ausgeschlossen zu werden. Eltern haben zudem darauf hingewiesen, dass man nicht von Kinderrechten sprechen kann, ohne auch von den Eltern zu sprechen.

Marina Carobbio, die sich von den Aussagen sichtlich berührt zeigte, hat die Wichtigkeit unterstrichen, dass die Politik von solchem Erfahrungswissen aus der Realität der Menschen genährt werde. Es brauche ein Engagement auf verschiedensten Ebene, um eine wirkliche Chancengleichheit zu erreichen, sagte die Nationalratspräsidentin gemäss einer ATD-Mitteilung.

Mehrere hunderttausend Betroffene

In der Schweiz leben mehr als 100’000 Kinder unterhalb der Armutsgrenze, schreibt ATD. Während die Schweiz unter den reichsten Ländern der Welt an dritter Stelle steht, lebten mehr als acht Prozent der Bevölkerung unter prekären Bedingungen. Das sind insgesamt 670’000 Personen im Lande.

Die Entwicklung habe sich verschärft. Im Jahr 2017 stieg gemäss dem Bundesamt für Statistik der Anteil der von starker Armut Betroffenen von 7,5 auf 8,2 Prozent der Bevölkerung. Mit der Unterzeichnung der globalen Uno-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung habe sich die Schweiz jedoch verpflichtet, die Armut in den nächsten zehn Jahren zu halbieren.

ATD fordert darum, dass die Schweiz die am stärksten benachteiligten Menschen besser in Wirtschaft und Gesellschaft integriert.

Familie, ihre Hauptressource

Rund dreissig Kinder nahmen gemäss «ATD vierte Welt» am Treffen mit Marina Carobbio teil. Die Kinder stammen aus Genf, Lausanne, Freiburg, Pruntrut JU, Le Locle NE, Basel, Rorschach und Winterthur. Ein Teilnehmer aus Lausanne schilderte die Situation gesellschaftlich benachteiligter Kinder: «Als Kinder wissen sie nicht, dass sie aus einem prekären Umfeld kommen. Aber sobald man in der Schule mit anderen konfrontiert wird, merkt man es.»

Ab einem bestimmten Alter merke man, dass die Eltern versuchten, alles zu tun, was sie können, um die Lage zu verbessern. Die Situation sei aber sehr belastend. «Die wichtigste Ressource, um all dies zu überwinden, ist die Familie, denn sie weiss, was du durchmachst.»

Die Organisation

«ATD Vierte Welt» ist eine Bewegung von Menschen in grosser Armut und Freunden mit dem Ziel, Armut zu überwinden. Als gleichwertige Partner setzen sie sich für die Würde und Rechte aller, besonders der benachteiligten Familien, ein, heisst es im Selbstporträt von ATD Vierte Welt. ATD steht für «Agir tous pour la dignité» (»Gemeinsam für die Würde aller»)

Die Organisation wurde 1957 vom katholischen Priester Joseph Wresinski mit obdachlosen Familien in einem Aufnahmelager in Noisy-le-Grand bei Paris gegründet. Heute ist die Bewegung auf allen Kontinenten aktiv. Seit 1965 in der Schweiz tätig, ist ATD Vierte Welt ein gemeinnütziger Verein mit Sitz im freiburgischen Treyvaux. (cath.ch/gs)