Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

«Hans Küng ist bleibendes Vorbild eines Universitätslehrers, der gleichzeitig engagierter Mitbürger ist».

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Wirken des katholischen Theologen Hans Küng gewürdigt. Er bezeichnete den Schweizer in der diesjährigen Weltethos-Rede als «bleibendes Vorbild eines Universitätslehrers, der gleichzeitig engagierter Mitbürger ist».

Küng habe nicht nur sein Fach für breite Kreise verständlich vertreten, er habe auch in engagierter Zeitgenossenschaft das politische und geistige Leben konstruktiv begleitet, sagte Frank-Walter Steinmeier am Dienstagabend in Tübingen. Der deutsche Bundespräsident wörtlich über den Schweizer Theologen Hans Küng: «Ein bleibendes Vorbild eines Universitätslehrers, der gleichzeitig engagierter Mitbürger ist.» Aus «Respekt für und Verehrung von Hans Küng» nahm Steinmeier nach eigenem Bekunden die Einladung an, in diesem Jahr die Weltethos-Rede zu halten.

Der Theologe konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen, verfolgte sie aber nach Auskunft von seinem Nachfolger als Präsident der Stiftung Weltethos, Eberhard Stilz, in seiner Tübinger Wohnung per Livestream.

Küngs Engagement wurde in Lindau sichtbar

Steinmeier zählte Küng zusammen mit dem Philosophen Jürgen Habermas «zu den beiden heute wohl weltweit bekanntesten lebenden deutschsprachigen Geisteswissenschaftlern, die nicht Papst geworden sind». Küngs Engagement für Frieden und Verständigung unter den Religionen sei für ihn im August in Lindau bei der Weltversammlung von Religions for Peace sichtbar geworden. «Hoffen wir alle zusammen, dass diese Saat weiter aufgeht.»

Im Alltag vieler Gesellschaften sei Religion ein mächtiger Faktor, so Steinmeier. Dies gelte auch für die praktische Weltpolitik. Wer sich über ein Ethos des Zusammenlebens verständigen wolle, müsse sich mit der heutigen Gestalt von Religionen in ihrer kulturprägenden Wirkung befassen.

Rolle von Tübingen

Der deutsche Bundespräsident betonte, das akademische Leben des Schweizers sei ohne Tübingen nicht zu denken, «jene kleine, grosse Stadt, von der Walter Jens einmal sinngemäss gesagt hat: Köln hat eine Universität, Hamburg leistet sich eine Universität – Tübingen ist eine Universität.» Es sei nicht zufällig, dass eine Konzeption wie die des Weltethos «ausgerechnet hier geboren wurde».

Seit 2000 lädt die von Küng gegründete Stiftung Weltethos zu den Reden in die Universität ein. Gekommen sind bislang unter anderen Kofi Annan, Tony Blair, Shirin Ebadi und Helmut Schmidt.

Die Frage nach einem Weltethos geht auf Küngs Buch «Projekt Weltethos» zurück. Darin vertritt Küng die These, dass Religionen nur einen Beitrag zum Frieden leisten können, wenn sie sich auf einen Grundkonsens über Werte, Massstäbe und Grundhaltungen besännen. (kna)